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Diese Frau hat immer Recht gehabt

Katharina Pust an ihrem Arbeitsplatz im Ueckermünder Amtsgericht. Sie urteilt hauptsächlich in Familiensachen, aber auch im Zivil- und im Jugendstrafrecht. Nächste Woche geht sie in den Ruhestand.  FOTO: S. Weirauch
Katharina Pust an ihrem Arbeitsplatz im Ueckermünder Amtsgericht. Sie urteilt hauptsächlich in Familiensachen, aber auch im Zivil- und im Jugendstrafrecht. Nächste Woche geht sie in den Ruhestand. FOTO: S. Weirauch

VonSimone Weirauch

Seit 36 Jahren spricht Katharina Pust am Ueckermünder Amtsgericht Recht. Meist in Familiensachen. In der nächsten Woche ist
ihr letzter Arbeitstag.

Ueckermünde.Die meisten Gerichtsverhandlungen am Ueckermünder Amtsgericht sind öffentlich. Wenn es allerdings um Familiensachen geht, dann bleibt das Gesagte in den allermeisten Fällen hinter den roten Klinkermauern des Amtsgebäudes. Dann geht es nämlich um Adoptionen, um Ehescheidungen oder um das Sorgerecht für Kinder. Alles Fälle für die Familienrichterin Katharina Pust. Die 62-jährige Juristin spricht seit nunmehr 36 Jahren als Richterin in Ueckermünde Recht. Wenn sie in der nächsten Woche in den Ruhestand geht, dann wird sie das mit einem weinenden und einem lachenden Auge tun. „Ich gehöre in diesem Hause sozusagen zum Inventar, so lange bin ich schon hier“, sagt sie. Schon 1967 hat Katharina Pust beim Amtsgericht gelernt, damals noch den Beruf einer Steno-Phonistin. Danach arbeitete sie zwei Jahre beim Neubrandenburger Bezirksgericht und nutzte die Zeit, um ihr Abitur zu machen. In Berlin hat die junge Frau dann Rechtswissenschaft studiert. 1977 wurde Katharina Pust Richterin. Damals hat noch der Kreistag die Richter gewählt. Nach der Wende blieb sie Richterin auf Probe und wurde dann 1996 zur Richterin auf Lebenszeit berufen. Und immer blieb sie Ueckermünde und dem Amtsgericht in ihrer Heimatstadt treu. Dass nun in ihrem Abschiedsjahr auch der Hammer für das Ueckermünder Amtsgericht fallen soll, lässt Katharina Pust keineswegs kalt. „Seit mehr als 100 Jahren wird an dieser Stätte Recht gesprochen, und ich halte es für keine gute Entscheidung, dieses Gericht zu schließen.“ Als Richterin kann sie nicht anders, als eine Sache gründlich abzuklopfen, bevor sie sich ein Urteil bildet. Darum ist sie dabei, wenn morgen in Schwerin gegen die Gerichtsreform protestiert wird.Sie hätte sich gewünscht, dass sich viel mehr Ueckermünder für das Amtsgericht in ihrer Stadt stark machen, auf die Straße gehen wie in Demmin oder Anklam.
Ansonsten wünscht sich Katharina Pust natürlich wie jeder, der nach einem langen, fordernden Berufsleben in Pension geht, dass sie tatsächlich zur Ruhe kommt. Sie hat als Familienrichterin viel Leid, Kummer und menschliche Tragödien erlebt. Vor allem Sorgerechtsentscheidungen gehen der Richterin sehr nahe. Dabei war ihr die gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Verfahrensbeistand der Kinder immer sehr wichtig. „Schließlich will ich nur im Interesse des Kindes entscheiden.“ Dabei ist der Richterin eine gründliche Prüfung wichtiger als eine eilige Entscheidung, die oft von ihr verlangt wird. Auch bei Ehescheidungen ist das Trennungsjahr durchaus angebracht, weiß sie aus Erfahrung. Gern gibt sie die Geschichte zum Besten, wie sie vor der Wende ein Ehepaar geschieden hat, das nur wenige Minuten später heulend vor ihr saß und die Entscheidung bereute. Ob die wieder geheiratet haben? „Ich weiß nicht“, sagt sie lachend.

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weirauch@nordkurier.de

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