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Diese Waldkinder werden von allein groß

Auf 1,8 Hektar wachsen die kleinen Kiefern, Douglasien und Lärchen heran. 21 600 Kiefern hat die Landesforst auf der Fläche bei Jädkemühl angepflanzt. Doch viel Pflege brauchen die jungen Nadelbäume nicht. Aber Ruhe. Der Zutritt für Waldbesucher ist für die nächsten Jahre streng verboten.  FOTOS: K. Müller
Auf 1,8 Hektar wachsen die kleinen Kiefern, Douglasien und Lärchen heran. 21 600 Kiefern hat die Landesforst auf der Fläche bei Jädkemühl angepflanzt. Doch viel Pflege brauchen die jungen Nadelbäume nicht. Aber Ruhe. Der Zutritt für Waldbesucher ist für die nächsten Jahre streng verboten. FOTOS: K. Müller

VonKatja Müller

Kleine grüne Spitzen und weiche Nadeln schlängeln sich im Sonnenlicht. Es ist der Kindergarten des Waldes. Zwischen Liepgarten und Torgelow wächst das Holz für die Möbel der nächsten Generation heran.

Jädkemühl.Mehrere Meter ragen sie in den blauen Himmel. Ihre Spitze ist gar nicht mehr zu erkennen, und auch die grünen Äste sind schon einige Jahrzehnte nicht mehr in greifbarer Nähe. Die Kiefern im Wald bei Jädkemühl haben schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Jedenfalls die meisten von ihnen. Einige sind sogar über 130 Jahre alt. Doch nicht nur die alten knorrigen Herren stehen dicht an dicht. Eine große Freifläche schenkt den Autofahrern zwischen Liepgarten und Torgelow einen hellen Abschnitt. 1,8 Hektar Wald sind plötzlich nicht mehr da. Sind frei von großen Nadel- und Laubbäumen. Doch sie sind keineswegs kahl. Denn dort sind die kleinsten Waldbäume zu Hause. Die meisten von ihnen sind nicht einmal kniehoch. Ein großer Kindergarten der Kiefern. Insgesamt 21600 Kiefern wurden auf der Freifläche angepflanzt. Dicht an dicht stehen sie zusammen. Und ab und zu streckt auch eine Douglasie und eine Lärche ihre grünen Zweige durch die Kiefernnadeln. Das ist nicht unbedingt beabsichtigt, aber geduldet, erklärt Revierförster Hans-Christian Clodius. In diesem Fall spreche man auch von Naturverjüngung. Die Lärchen und Douglasien säen sich selbst, sagt er und deutet auf die benachbarten Riesen.
Und dass die Bäume so dicht zusammenstehen sei ebenfalls Absicht und auch notwendig. „Bei Dichtstand werden die Kronen schlanker als bei freierem Aufwachsen. Und somit bleiben dann auch die Äste weg. Der Stamm wächst schlank und kahl nach oben“, erklärt Clodius. Und das werde auch gebraucht. Holz ohne Astlöcher. Die Kiefer ist mittlerweile der „Brotbaum“ der norddeutschen Forstwirtschaft. „Aus unserem Holz werden zum größten Teil Möbel gebaut. Das ist gutes Holz und das sollte eben keine Astlöcher haben“, betont der Revierförster. Wo aber jede einzelne Kiefer später einmal als Schrankwand landet, dass kann Clodius nicht sagen. „Ich kümmere mich um das Wachstum der Bäume, den Verkaufs-Part übernehmen andere.“ Und im Wald kennt der Revierförster fast jeden Baum.
Das ganze Jahr über hat er auch ein Auge auf den Kiefern-Kindergarten bei Jädkemühl. Obwohl die jungen Bäume im Vergleich zu anderen Jungpflanzen recht wenig Zuneigung brauchen. „Im Spätsommer werden sie einmal mit einen Schutz gegen Wildverbiss bepinselt und dann ist das aber auch alles, was wir so machen“, erläutert Hans-Christian Clodius. Ein Wild-Zaun für die jungen Bäumchen wäre zu aufwendig. „Wenn zwei Leute sich hier um die 1,8 Hektar kümmern, dann sind sie an einem Tag fertig. Das ist viel effektiver und auch schneller“, sagt der Revierförster. In regelmäßigen Abständen werde das Gras zwischen den Bäumen gemäht, aber auch das komme nicht allzu häufig vor. „Das ist Natur. Hier muss alles von allein wachsen. Wir können auch nicht mit der Gießkanne alles feucht halten. Ein Kontrollblick ist drin, aber mehr nicht“, versichert der Mitarbeiter des Forstamtes Torgelow.
Wichtig sei aber auch, dass die Menschen sich von den jungen Bäumen fernhalten. „Bis zu einer Höhe von vier Metern sind diese Verjüngungsflächen absolut tabu. Da darf niemand drin herumlaufen und schon gar nicht etwas abschneiden oder gar ausgraben“, betont Clodius. Der Wald, der dem Menschen Erholung biete, brauche auch selbst Ruhezeiten.

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