Nordkurier.de

Endlich: Storch lässt Kinder nicht mehr zappeln

VonLutz Storbeck

Was war das für ein endlos langes Warten. Jürgen Neuenfeldt aus Luckow hat in jedem Frühjahr gehofft, dass endlich ein Storchenpaar die Nisthilfe gleich hinter seinem Grundstück als Zuhause auserwählt. Nun ist es soweit, und auch die
Kinder im Dorf freuen
sich.

Luckow.Da, da sind sie wieder. Die Knirpse aus der Kita „Pustewind“ sind kaum zu halten, greifen nach Ferngläsern und klettern auf den kleinen Aussichtsturm. Tatsächlich, ein Storch, nein, sogar zwei kreisen in der warmen Aprilluft über Luckow, und ganz in der Nähe hat es sich ein Storch gemütlich gemacht. Was für eine Sensation ist. Denn viele Jahre lang blieb diese Nisthilfe von den Adebaren unbeachtet. Sagt Jürgen Neuenfeldt, der das Bauwerk mit Nachbarschaftshilfe und mit Hilfe eines Krans aus dem orstansässigen Agrarbetrieb errichtet hat. „Wie lang das her ist?“ Jürgen Neuenfeldt muss überlegen, aber so sieben, acht Jahre bestimmt. Damals sollte Nachbarstochter Lysann Hertzfeldt und später auch Neuenfeldts Enkeltochter Lena-Sophie mal endlich eine richtige Storchenfamilie aus der Nähe beobachten können. Denn schließlich – man lebt auf dem Dorf, und da gehört ein Storch nun einmal einfach dazu.
Gut, eine Storchenfamilie gibt es jedes Jahr in Luckow. Aber die lässt sich seit alters her auf dem Horst nahe der Kirche nieder. Was in Ordnung ginge, wenn nicht eben diese Störche bislang jeden Versuch abgewehrt hätten, dass sich weitere Artgenossen in Luckow niederlassen, vermutet Neuenfeldt.
Schließlich geht‘s ums Futter, und wenn so ein Storch meint, dass sein Revier verteidigt werden muss, dann tut er dies auch ganz nachdrücklich. Wohl auch deshalb ist das Neuenfeldtsche Nest bislang zwar schon ab und an von Störchen angesteuert, aber noch nie besetzt worden.
So ein Pech! Was hat sich Jürgen Neuenfeldt da nicht alles schon anhören müssen. Als Präsident des Luckower Karnevalsvereins steht er ja ohnehin in der närrischen Zeit im Blickpunkt, nicht nur der Narren. Und da gab es sogar ein Liedchen, in dem Neuenfeldts bislang vergebliches Warten auf die Störche Thema war. Nun ist plötzlich alles ganz anders geworden. Seit anderthalb Wochen richtet sich ein Storchenpärchen wohnlich ein. „Ich hatte auf das Metallrad nur ein paar Tannenzweige gepackt“, sagt Jürgen Neuenfeldt. Innerhalb von zehn Tagen ist der Storchenhorst zu ansehnlicher Größe gewachsen.
Wie die Adebare das machen, können die Mädchen und Jungen aus der Kita „Pustewind“ ganz genau beobachten. Die Storchenwohnung thront ganz in der Nähe fünf, sechs Meter über dem Feld. „Wir haben uns noch zusätzlich Ferngläser besorgt, damit alle Kinder was sehen können, vom Aussichtsturm aus geht das ja ganz gut“, sagt Kita-Leiterin Monika Roßfeldt. Sobald sich bei Storchens etwas tut, bewaffnen sich Vincent, Malte, Lena und die anderen mit den Ferngläsern und gucken zu. „Vergangene Woche gab es große Aufregung, da waren gleich vier Störche da und haben richtig laut geklappert“, sagt die Kita-Leiterin. Natürlich sind die imposanten Vögel seit Tagen in der Kita Gesprächsthema. „Wir haben uns da richtig schlau gemacht. Störche brüten so etwa 30 Tage und bekommen dann drei bis fünf Junge“, sagt Monika Roßfeldt.
Bis die Storchenküken schlüpfen, bleibt also noch etwas Zeit.
Damit die Kita-Kinder bis dahin alles genau beobachten können, hat Jürgen Neuenfeldt kürzlich sogar eine seiner Fichten geköpft. So ist der Blick von der Kita zum Nest noch viel besser geworden. Und was die Kinder da beobachtet haben, deutet an: es wird wohl etwas mit dem Storchennachwuchs.
Auch wenn der kleine Vincent meinte, dass die Störche ja dahocken „wie bei den Bremer Stadtmusikanten“.
Apropos Musikanten – nun wird es aber auch höchste Zeit, dass jemand ein Loblied dichtet und singt, das die Geduld von Jürgen Neuenfeldt in Sachen Störche gebührend würdigt.

Kontakt zum Autor
l.storbeck@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×