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Für guten Zweck unterwegs mit nur 1 PS

Von unserem RedaktionsmitgliedLutz Storbeck

Hoch zu Ross durch die Natur, das macht für viele Freizeitreiter den Reiz ihres Hobbys aus. Doch einfach aufs Pferd steigen und dann ab durch die Mitte - ganz so einfach ist es denn doch nicht. Jedenfalls nicht überall in Vorpommern.

Müggenburg.Sieben Pferde sind auf dem „Fliederhof“ in Müggenburg bei Heinrichsruh zuhause, und Franziska Raschke ist ganz stolz auf ihre kleine Herde. Die begeisterte Reiterin aber hat die Pferde nicht nur zum Vergnügen, sondern möchte damit auch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Wanderritte durch die wunderschöne Region bei Torgelow und auch darüber hinaus will sie Touristen anbieten. Das klappt ganz gut. Es könnte aber noch besser gehen, sagt Franziska Raschke, denn aus ihrer Sicht erlegt den Wander- und Freizeitreitern das Landeswaldgesetz zu viele Einschränkungen auf. Laut Gesetz ist das Reiten in MV nur auf ausgewiesenen Wegen statthaft – anders als in anderen Bundesländern. Zwar gibt es rund um Torgelow bereits einige dieser ausgewiesenen Reitwege, aber eben nicht genug. Zum Beispiel ist ein Wanderritt vom „Fliederhof“ aus nach Gehren nur möglich, wenn unterwegs diese Reitwege zeitweise verlassen werden. „Da reiten wir zwar vorsichtig, aber eben immer mit einem schlechten Gewissen“, sagt die Müggenburgerin. Aber anders gelangen Ross und Reiter oftmals nicht zum Ziel. Was zeigt, dass es noch an Verbindungen zwischen den einzelnen Reitwegen mangelt. „Was den Fliederhof angeht, bin ich akzeptiert, habe auch zu Forst und Jagdpächtern im Laufe der Zeit ein gutes Verhältnis aufbauen können“, sagt Franziska Raschke. Doch nicht immer seien zum Beispiel Jagdpächter entspannt, wenn Reiter mit ihren Tieren unterwegs sind. Das hat Franziska Raschke am eigenen Leibe erfahren müssen. Für Dreharbeiten zur NDR-Sommertour habe sie einmal von ihrem Fliederhof aus gemeinsam mit einer anderen Reiterin den ausgewiesenen Reitweg verlassen und, mit Genehmigung des Landwirts, eine Wiese entlang reiten müssen. Dort sei sie von einem Mann – vermutlich einem Jagdpächter – mit dem Auto hart bedrängt worden. „Der hat offenbar in Kauf genommen, dass Ross und Reiter an der Gesundheit gefährdet werden“, schildert die Reiterin. Erfahrungen, die sie sich und auch den anderen Reitern ersparen möchte.
Unter anderem deshalb ist sie Mitglied im „Verband der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland“. Dieser Verband hat jetzt eine Aktion zu seinem 40-jährigen Bestehen gestartet, bei der Unterschriften gesammelt werden sollen. „Im Kern geht es um einen freien Zugang von Mensch und Pferd zur Natur, darum, dass die Einschränkungen zum Beispiel für das Wanderreiten Stück für Stück zurückgenommen werden“, erklärt Franziska Raschke.
Sie will sich deshalb selbst zu Pferd auf den Weg machen. Am kommenden Freitag wird sie, gemeinsam mit Eva Hafermalz, zunächst an der deutsch-polnischen Grenze eine solche Unterschriftensammlung von polnischen Reitfreunden entgegen nehmen. „Und dann geht es am 6. Mai los in Richtung Dömitz. Ich werde etwa 14 Tage unterwegs sein und dort die Unterschriftenliste an Reiter aus Niedersachsen weitergeben“, sagt Franziska Raschke.

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l.storbeck@nordkurier.de

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