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Heute kullern nicht nur die Freudentränen

VonKatja Müller

Die ersten Schritte haben sie gemeinsam gemacht. Viele Dinge geübt und schnell begriffen. Nun sind die Kindergartenkinder groß. Und für die Erzieherin geht eine schöne Zeit zu Ende. Und die eine oder andere Träne kullert heute.

Liepgarten.Ein letztes Mal sitzen sie gemeinsam am Tisch. Es gibt das Lieblingsessen schlecht hin: Nudeln mit Tomatensoße. 14 kleine Augen leuchten. Die Mädchen und Jungen der Liepgartener Kita „Uns Kinnerhus“ sind in ihrem Element. Sie schnattern kreuz und quer über den Tisch, lachen und haben viele Scherze auf Lager. Auch Astrid Rademacher ist glücklich. Die Kita-Erzieherin genießt die Stunden mit ihrer großen Gruppe. Es ist der letzte Ausflug mit den Knirpsen. Denn nach der großen Sommerpause kommen Paula, Lena, Maurice, Artur, Anne-Marie, Angelina und Mia-Danielle zur Schule. Eigentlich ein sehr freudiges Ereignis. Doch Astrid Rademacher ist auch ein bisschen traurig. Schließlich war sie dabei, als die meisten von den Kindern laufen lernten. Sie brachte ihnen bei mit dem Löffel zu essen und auf die Toilette zu gehen. All diese schönen Momente, die die Eltern mit großem Stolz erfüllen, durfte auch sie miterleben. „Wir haben viele Stunden, Tage, ja sogar Jahre miteinander verbracht. Nun sind sie schon so selbstständig und kommen zur Schule. Ein neuer Lebensabschnitt, den ich nicht mehr begleiten werde“, erzählt die Erzieherin. Seit 38 Jahren arbeitet sie in ihrem Beruf, ohne Pause. Und bis heute hat sie ihre Berufswahl nicht bereut. „Es gibt einfach nichts Schöneres als mit Kindern zu arbeiten. Da kommt so viel Liebe zurück und man hat so viel Spaß mit ihnen“, gerät sie ins Schwärmen. Und ganz besonders genießt sie auf den letzten Schritten der Kindergartenzeit die Abschlussfahrt. Die Kita „Uns Kinnerhus“ hat sich in diesem Jahr für das Ueckermünder Zentrum für Erlebnispädagogik und Umweltbildung (Zerum) entschieden. „Wir verbringen hier zwei schöne Tage. Und man erlebt die Kinder noch einmal ganz anders. Das ist wirklich spannend“, freut sich Astrid Rademacher. Viel mehr scheinen sich die Jungen und Mädchen zu freuen. Sie haben sich auch für die Nacht schon ein paar tolle Dinge überlegt. „Wir haben Taschenlampen mit. Und damit erschrecken wir die anderen. Maurice die Mädchen und ich Frau Rademacher“, verkündet Artur noch am Nachmittag. Doch die Kitaleiterin schmunzelt nur. „Ich bin gespannt, aber mir auch sicher, dass sie alle völlig erschöpft früh einschlafen“, sagt sie leise. Doch die Vorfreude auf den nächtlichen Spaß will sie ihren Kindergartensprößlingen auf keinen Fall verderben. Und sie gibt das Startsignal für den nächsten Programmpunkt: „Auf geht’s. Ab an den Strand!“ Die Knirpse lassen sich nicht zweimal bitten. Schnell sind die Schuhe ausgezogen und wird das Spielgerät erklimmt. Denn von Traurigkeit über das Ende im Kindergarten ist bei den Kleinen keine Spur. „Wir freuen uns auf die Schule“, erklärt Paula. Rechnen und schreiben kann sie schon, wie die anderen auch.
Nur bei Astrid Rademacher wächst die Wehmut. „Aber ein paar kommen weiterhin in den Hort bei uns. So ist es nicht ganz so schlimm“, sagt sie und lässt sich wieder auf die Fangespielchen am Strand ein. Die Tränen werden heute, am letzten Tag im Kindergarten aber ganz sicher kullern. Doch ein paar werden auch Freudentränen sein, versichert sie.

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