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Hinter diesem alten Fenster spielt in Luckow die Musik

Heinz Eulitz an seinem modernen Keyboard. Manchmal spielt er am offenen Fenster.  FOTOs: S. Weirauch
Heinz Eulitz an seinem modernen Keyboard. Manchmal spielt er am offenen Fenster. FOTOs: S. Weirauch

VonSimone Weirauch

Wenn einer 52 Sommer in Luckow erlebt hat, dann darf er sich Vorpommer nennen. Auch, wenn er aus Sachsen kommt. So wie Heinz Eulitz. Sein Herz schlägt für sein Heimatdorf. Manchmal auch im Dreivierteltakt.

Luckow.Worauf warten? Im Juli wird Heinz Eulitz 84 Jahre alt. Es geht ihm gut, aber weiß man, was noch kommt? Der Rhododendron blüht so wunderbar in diesem Jahr. Höchste Zeit, dass da mal jemand von der Heimatzeitung kommt und ein Foto macht von dieser Pracht in seinem Garten. Dafür stellt sich der groß gewachsene, schlanke Mann in seiner Gärtnerjacke auch gern neben die rosa Blüten. Heinz Eulitz mag diesen Rhododendron sehr. Es ist einer von mehreren Büschen, die in dem romantischen Naturgarten hinterm denkmalgeschützten Fachwerkhaus von 1726 wachsen. Er mag ihn, weil wohl auch seine Frau diese Blütenpracht liebte. Und davor schon deren Mutter. So lange schon wächst und gedeiht der Busch im Garten. Ein Rhododendron kann bei guter Pflege 100 Jahre und älter werden. Wie alt genau dieser Strauch ist, weiß Heinz Eulitz nicht. Aber der 83-Jährige könnte gut und gerne neben einem „Gleichaltrigen“ stehen. Dieser Gedanke gefällt ihm. Nur das Stillstehen hält er nicht lange aus. Es ist noch so viel zu tun im Garten. Der Rasen muss unbedingt in die Schranken verwiesen werden, der wächst sonst wie Unkraut auf dem breiten Weg. Und das gefällt Heinz Eulitz gar nicht. Der Luckower mag es ordentlich. Das war schon immer so. Darum war er auch genau der richtige Mann für die Poststelle im Dorf. Früher, da hat Heinz Eulitz in der kleinen Post im Nebenhaus gearbeitet. Hinter einer Klappe saß er und hat Marken verkauft, Lottoscheine und Pakete angenommen. Klappe auf, Klappe zu, gerade so, wie die Luckower zur Post kamen. „Daraus haben sie im Karnevalsverein schon mal einen lustigen Spruch für mich gemacht“, erzählt Heinz Eulitz lachend. Er war auch viele Jahre im Karnevalsverein. Seit der 750-Jahr-Feier von Luckow im Jahr 2010 hängt ein buntes Schild an dem Haus, das darauf hinweist, dass es einst die Poststelle beherbergte.
Diese Zeiten sind lange vorbei. Wie so vieles, was im Leben des 83-Jährigen bedeutsam war. Vor mehr als 50 Jahren war Heinz Eulitz aus der sächsischen Kleinstadt Gröditz (bei Riesa) nach Vorpommern gekommen. Mit seiner Frau, die alle Luckower als Schwester Eva kennen. 30 Jahre war sie die Gemeindeschwester im Dorf. Die beiden hatten sich auf einer Hochzeit kennengelernt, auf der Heinz Eulitz musizierte. Er war damals noch Transportarbeiter im Stahlwerk. Das Musizieren war schon immer seine Leidenschaft, die hatte er vom Vater geerbt. Diese Leidenschaft brachte ihn also zu seiner großen Liebe. Die ist geblieben, auch wenn seine Frau nicht mehr lebt. Und auch das Musikmachen gehört noch heute zu seinen liebsten Beschäftigungen. „Die Musik gibt mir Halt, ohne sie könnte ich nicht so froh sein“, sagt Heinz Eulitz. Er singt auch im Ahlbecker Shanty-Chor und spielt Akkordeon. Sein Sohn hat ihm ein tolles Keyboard geschenkt. Manchmal spielt er darauf am offenen Fenster, sodass die Melodien über die Straße fliegen. Rot sind die Rosen, so heißt ein Lied. Die beiden Bänke auf der anderen Straßenseite bleiben dann nicht lange leer. In Luckow wohnt ein Musikant – das wissen nicht nur die Männer vom Shanty-Chor. Genau! Einer, der nicht wartet, sondern musiziert, wenn es ihm sein Herz sagt.

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