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Lakomys Lieder und Flohmarkt-Freunde

Von unserem Redaktionsmitglied
Simone Weirauch

Schlendern und schauen, finden und feilschen – der Hafenflohmarkt in Ueckermünde ist dafür bestens geeignet. Super, wenn die Sonne scheint, aber ansonsten geht es hier nur um den wahren Wert
der Dinge.

Uecker-Randow.Ach, hätte ich ihn doch nicht weggeworfen, den Plattenspieler! Doch die Reue kommt zu spät. Wenn Mario Kornas solche verzweifelten Ausrufe hört, kann er nur lächeln. Das erlebt er oft. Da steht nun die Kundin, zwei Schallplatten von Reinhard Lakomy in den Händen. In Gedanken hört sie ihn singen, den Mann mit der Reibeisenstimme. „Es war doch nicht das erste Mal...“ Nein, sie hat schon öfter mal bereut, ihren alten Plattenspieler entsorgt zu haben. Als alle Welt nur noch CDs kaufte. Inzwischen gibt es die schwarzen Vinylscheiben auch in den Läden wieder. Die Verkaufszahlen steigen. Am Flohmarkt-Stand von Mario Kornas aber stehen die originalen alten Schallplatten. Schlager und Jazz, Klassik und Volksmusik aus der analogen Rille. Der Händler aus Neustrelitz staunt selbst, wie gefragt Schallplatten sind. Sogar bei jungen Leuten.
Ansonsten stöbern die Marktbesucher am Stand von Mario Kornas zwischen Büchern und diversen anderen Sachen. Und Bildern, die Mario Kornas selbst malt. Wegen seiner Malleidenschaft wird der Neustrelitzer auch liebevoll Theo Krauch genannt. Aber nur in Ueckermünde, erzählt er lachend. Dem Hobby-Markthändler gefällt es hier am Haff. Und erst recht bei Sonnenwetter, so wie am vergangenen Wochenende. Seine gute Laune und Gelassenheit tröstet auch die Kundin ohne Plattenspieler. Sie stöbert weiter auf dem kleinen Flohmarkt im Ueckermünder Hafen. Der wird jetzt übrigens jeden ersten Sonnabend im Monat veranstaltet, teilt Carsten Seeger vom Organisationsteam des Hafenflohmarktes mit.
Weil der Markt gut besucht wird, hat der SPD-Stadtvertreter dort Unterschriftenlisten für die Volksinitiative gegen die Gerichtsreform in Mecklenburg-Vorpommern und gegen die Schließung des Ueckermünder Amtsgerichts ausgelegt. Bis zum Mittag hatte er schon mehr als 100 Unterzeichner auf den Listen. Kein Wunder, die Leute, die dort hinkommen, wissen den wirklichen Wert der Dinge zu schätzen. Recht und Gesetz lassen sich später, wenn das Gericht erst einmal geschlossen ist, nicht auf dem Flohmarkt wiederfinden. So ähnlich hat es Maritta Schulz ausgedrückt, als sie ihre Unterschrift auf die Liste setzt.

Kontakt zur Autorin
weirauch@nordkurier.de

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