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Millionen-Hoffnung am Haff auf Null gebucht

Von unserem Redaktionsmitglied
Simone Weirauch

Vor zehn Jahren wurde die Stadt Ueckermünde um zwei Millionen Euro geschröpft. Zwei windige Investoren haben sich mit falschen Versprechungen Vertrauen und Geld erschlichen. Wird die Haffstadt dieses Geld jemals wiedersehen?

Ueckermünde.Das ist tatsächlich schon so lange her: Zehn Jahre! Zwei Betrüger versprechen den Aufbau eines Granitsteinwerks in Ueckermünde, ein gutgläubiger Kämmerer sorgt dafür, dass knapp zwei Millionen Euro auf ihre Konten fließen. Im Sommer 2003 kommt die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft dem Deal auf die Schliche. Es stellt sich heraus, dass auch die Sparkasse Hanauer Land bei diesem Betrugsmanöver eine unrühmliche Rolle spielte. Eine langwierige und zähe Auseinandersetzung um die Schuld der Beteiligten beginnt. Der Kämmerer der Stadt wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, auch die Scheininvestoren. Das Geld aber ist weg. Seit 2004 versucht die Stadt mit allen rechtlichen Mitteln, ein Urteil gegen die Sparkasse zu erwirken, die an dem Deal beteiligt war. Ohne Erfolg.
Auf der Stadtvertretersitzung am 21. März 2013 teilte Stadtpräsident Arnim Beduhn mit, dass in einem Schuldenbereinigungsverfahren dem damaligen Schein-Investor Werner Hartmann die Restschuld erlassen wird.
400 000 Euro flossen auf sein Konto. Knapp 80000 Euro holte sich die Stadt durch eine Zwangsvollstreckung zurück. Doch bei Hartmann stehen die Gläubiger Schlange. Ein weiterer Beschluss der Stadtvertreter betrifft die Forderungen gegen Christian Kugel in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Diese Summe soll aus der städtischen Bilanz ausgebucht werden.
Sind damit auch jegliche Hoffnungen begraben, die zwei Millionen Euro je wiederzusehen? „Was wir in der Hand haben, das sind notarielle Schuldanerkenntnisse der beiden Herren Hartmann und Kugel zugunsten der Stadt Ueckermünde in einer Gesamthöhe von 1,9 Millionen Euro zuzüglich Zinsen“, sagt Kämmerer Joachim Trikojat. Im Fall Kugel blieben die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen bisher vergeblich. „Da ist nichts zu holen“, so Trikojat.Und gegen die Sparkasse hat die Stadt bis heute vergeblich prozessiert.
Dass die Zwei-Millionen-Forderung nunmehr aus dem Haushalt der Stadt Ueckermünde ausgebucht wird, sei allein der Tatsache geschuldet, dass die städtische Bilanz nicht dauerhaft verfälscht werden soll. Die Forderungen der Stadt seien damit nicht erlassen. Trikojat: „Wir haben einen vollstreckbaren Titel, und sollte der Herr Kugel jemals zu Vermögen kommen, können wir unsere Forderung aufleben lassen.“

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