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Nur kein Neid! Auch Haffstadt muss sparen

Er ist der Herr über Ueckermündes Finanzen: Kämmerer und Hauptamtsleiter Joachim Trikojat.  Foto: U. Roll/Nk-Archiv
Er ist der Herr über Ueckermündes Finanzen: Kämmerer und Hauptamtsleiter Joachim Trikojat. Foto: U. Roll/Nk-Archiv

Sparen ist auch in Ueckermünde kein Fremdwort. Aber der Streit um Geld und Personalkosten in der Stadt ist bisher noch nie so heftig öffentlich ausgetragen worden wie auf der Stadtvertretersitzung am 21. März. Die CDU-Fraktion wollte sogar einen externen Berater in die Haffstadt holen. Unsere Frage, ob Ueckermünde einen Sparkommissar braucht, ist bei Kämmerer Joachim Trikojat gar nicht gut angekommen. Redaktionsmitglied Simone Weirauch sprach mit ihm über das Geld der Stadt.

Wie arm dran ist die Haffstadt denn nun wirklich?
Ueckermünde ist nicht ärmer dran als andere, die Stadt hat Rücklagen gebildet und ist liquide. Wir mussten noch nie einen Kassenkredit aufnehmen, um unsere laufenden Ausgaben bezahlen zu können. Auch in diesem Jahr ist das nicht erforderlich. Darum brauchen wir auch keinen Sparkommissar, wie Sie es formuliert haben, sondern bleiben Herr des Verfahrens.

Aber Sie haben doch selbst ein dramatisches Bild von schmerzhaften Einschnitten für die Ueckermünder gezeichnet. War die Debatte um den Haushalt 2013 nur ein Sturm im Wasserglas?
Keineswegs. Es hat ja für die Bürger bereits spürbare Einschnitte gegeben. Ich denke nur an die Sportstättengebühr. Auch das Begrüßungsgeld für Neugeborene ist gekürzt worden. Und jetzt stehen eben vordergründig die Personalkosten in der Stadtverwaltung zur Debatte. Die Stadtvertreter fordern zu recht eine Konsolidierung des Stadthaushalts, dazu gehört auch eine Personalausstattung, die unseren Aufgaben angemessen ist. Die Stadtvertreter haben sich ja nun so geeinigt, dass die Verwaltung bis zum Herbst Zeit hat, selbst zu prüfen, wo gespart werden kann.
Die Sparforderungen sind nun wirklich nicht neu. Jedes Jahr kommen neue Vorschläge auf den Tisch. Reicht das immer noch nicht?
Wer eine Haushaltskonsolidierung betreibt, der weiß, dass das keine spontane Sache ist. In einem Jahr haushalten und im nächsten das Geld wieder großzügig verteilen, das funktioniert nicht. Wir nehmen das Sparen schon lange sehr ernst. Mit Erfolg. Im Jahr 2011 haben wir es geschafft, statt 2,3 Millionen Euro von unseren liquiden Mitteln nur 571 000 Euro zu entnehmen. Im vergangenen Jahr haben wir 1,4 Millionen Euro Ausgaben geplant. Schon jetzt kann ich sagen, dass wir weit weniger liquide Mittel verbraucht haben. Wie die Jahresrechnung ganz genau aussehen wird, das wissen wir aber erst, wenn der Wirtschaftsprüfer das Ergebnis geprüft hat.

Wie viel Geld hat denn die Haffstadt auf der hohen Kante?Wäre Ueckermünde pleite, wenn die für dieses Jahr vorgesehenen 1,6 Millionen Euro aus dem Guthaben der Stadt tatsächlich entnommen würden?
Nein. Dann sind wir noch nicht blank. Wir bleiben zahlungsfähig.

Trotzdem haushaltet die Stadt so vorsichtig.
Wenn es nicht so wäre, dann würde es schon lange nicht mehr so gut in Ueckermünde aussehen. Obwohl die Stadt fleißig investiert, können wir die Pro-Kopf-Verschuldung Jahr für Jahr senken. Sie liegt aktuell bei 265 Euro pro Einwohner. Das funktioniert nur durch vorausschauendes, kluges Wirtschaften. Das Geld, das Ueckermünde investiert, fließt in Schulen, Straßen und andere langlebige Objekte, die auch in 30 Jahren noch da sind und von denen, die nach uns kommen, noch genutzt werden. In diesem Jahr wird die Sanierung des Waldstadions weitergehen. Die mündliche Zusage für Fördermittel vom Land liegt jetzt vor. Das heißt, dass wir 255 000 Euro Eigenmittel brauchen. Falls es doch anders kommen sollte mit der Förderung, dann werden die 255 000 Euro nicht etwa in den Straßenbau oder in eine andere Investition umgeleitet. Das Geld ist mit einem Sperrvermerk versehen.

Aber auch Ueckermünde muss bluten, weil sich Land und Landkreis auf Kosten der Kommunen konsolidieren. Wie hart trifft es die Haffstadt?
1999 haben wir vom Land 3,8 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen erhalten, in diesem Jahr fließen noch 2,5 Millionen. Für die Kreisumlage haben wir 1999 1,8 Millionen Euro gezahlt, in diesem Jahr sind es bereits 2,9 Millionen Euro. Die Tendenz ist eindeutig. Die Stadt ist auch künftig nicht auf Rosen gebettet. Jedenfalls nicht finanziell. Darum ist Sparen weiterhin angesagt.

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