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Sport frei! Ueckermünder Turnvater ist einfach nicht zu bremsen

Die Turn- und Sportfeste in der DDR wurden langfristig vorbereitet – die Trainer wurden mitunter für ein viertel Jahr von ihren Betrieben freigestellt, so wie Rudi Roloff, der hier von einem Gerüst aus auf seine Schützlinge schaut. [KT_CREDIT] FOTO:ZVG
Die Turn- und Sportfeste in der DDR wurden langfristig vorbereitet – die Trainer wurden mitunter für ein viertel Jahr von ihren Betrieben freigestellt, so wie Rudi Roloff, der hier von einem Gerüst aus auf seine Schützlinge schaut. [KT_CREDIT] FOTO:ZVG

VonLutz Storbeck

Eins muss man ihm lassen – er ist ausdauernd wie kaum ein anderer. Rudi Roloff, der Chef des Ueckermünder Turnvereins, kann das auch belegen - denn er hat seit 1954 an allen großen Turnfesten teilgenommen, die es in Deutschland nach dem Kriegsende gab. Am Wochenende macht er aktiv mit beim mittlerweile siebenten gesamtdeutschen Turnfest.

Ueckermünde.Da werden Historiker mit Sicherheit glänzende Augen bekommen. Das Archiv vom Ueckermünder Turnverein ist eine wahre Schatzkammer, wenn es um die Geschichte des Sports am Haff geht. Rudi Roloff und seine Vereinskameraden haben in vielen Jahren alles gesammelt, vieles dokumentiert, manches gehortet, was einmalig ist. In all diesen Schriftstücken, Fotos, Zeitungsausschnitten, Urkunden und vielem anderem mehr findet sich auch ein beträchtlicher Teil der persönlichen Geschichte von Rudi Roloff. Wenn er am Wochenende beim internationalen Deutschen Turnfest der Metropolregion Mannheim/Neckar-Rhein teilnimmt, dann wird dies das mittlerweile 15. sportliche Großfest sein, an dem er als Aktiver teilnimmt.
Begonnen hat alles 1954 in Leipzig. „Da fand das Turn- und Sportfest noch auf der Festwiese statt, aber die Planung für das Leipziger Stadion gab es schon. Zwei Jahre später mussten die Teilnehmer dann bei der Verschönerung des Areals mithelfen, und 1959 war das Stadion dann fertig“, blickt Roloff zurück.
Damals hatten die DDR-Sportfunktionäre noch den Plan, ein solches Sportfest alle zwei Jahre auf die Beine zu stellen. „Aber daraus wurde nichts, denn der Aufwand war viel höher, als zum Beispiel für Olympische Spiele“, sagt Rudi Roloff. So gab es die Sportfeste dann in unregelmäßigen Abständen – das letzte übrigens im Jahr 1987. Drei Jahre später war das Ruhrgebiet mit seinen Metropolen Bochum und Dortmund Gastgeber für das erste gesamtdeutsche Turnfest. Klar, dass es da noch einige Probleme gab. Unter anderem finanzieller Natur. „Die etwa 1100 Teilnehmer aus der DDR zahlten 55 Mark der DDR Teilnehmergebühr, bekamen Frühstück und Mittagessen und eine Freikarte für den öffentlichen Nahverkehr“, sagt Rudi Roloff, der von der freundlichen Atmosphäre bei den bundesdeutschen Sportfreunden angetan war.
Roloff hat übrigens den Mann, der damals als Referent für die DDR im Organisationskomitee gearbeitet hat, erst jüngst wiedergetroffen: Günter Kochbeck war in Ueckermündes Partnerstadt Sande, als die Ueckermünder dort zu Besuch waren. „Da gab es viel zu erzählen“, sagt der UTV-Chef. Was die Zahlen angeht, hat sich im Laufe der Zeit einiges geändert. Zu DDR-Zeiten beispielsweise war Rudi Roloff vor den Turn- und Sportfesten für ein viertel Jahr freigestellt, um die Teilnehmer für ihre großen Auftritte im Leipziger Zentral-Stadion zu trainieren. Was natürlich eine große Belastung für die Betriebe war, die dann auf ihre Fachleute verzichten mussten.
1969 reisten die Haffstädter mit 120 Aktiven nach Leipzig – zum diesjährigen Turnfest, es dauert von heute bis zum 25. Mai, wird es dagegen eine überschaubare Truppe sein: Aus Ueckermünde fahren lediglich fünf Frauen und Männer. „Da gibt es vom Betrieb natürlich keine Freistellung – man muss Urlaub nehmen“, sagt Rudi Roloff. Was vielleicht einer der Gründe ist, dass die Delegation diesmal recht klein ist. Was nach wie vor groß ist: die Beteiligung an diesen Turnfesten. Jeweils mehr als 100000 Sportbegeisterte machen mit – das war bei den DDR-Festen so, und das ist auch bei den gesamtdeutschen Turnfesten der Fall.

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