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Wahnsinn! Von Neuseeland in unseren Hafen

VonStefanie Peters

Hafenmeister Gerd Rasche hat sie sofort erkannt, die neuseeländische Flagge. Besuch von soweit her ist im Ueckermünder Stadthafen eingekehrt. Das Boot Catriona ist der ganze Stolz von Rob Prince und Maren Fischer, er ein Neuseeländer und sie eine Deutsche. Die Geschichte der beiden Abenteurer klingt wie ein romantisches Märchen.

Ueckermünde.Ein Boot unter neuseeländischer Flagge mit dem Southern Cross und dem Union Jack ist auch in Ueckermünde ein ungewöhnlicher Anblick. Seit Samstag liegt die Catriona im Stadthafen und zieht die Blicke nicht nur wegen ihrer beachtlichen Länge von 16 Metern, sondern auch wegen der dekorativen Blumenkästen mit Stiefmütterchen an Deck auf sich. „Die Franzosen sagen, dass man Blumenkästen an Bord haben muss, denn ansonsten denken die Menschen, das Boot ist nur gemietet,“ erzählt Maren Fischer schmunzelnd.
Doch nicht nur das Äußere hat einen ganz eigenen Charme, das Innere offenbart eine noch weitaus außergewöhnlichere Geschichte zweier Menschen, die auf der Catriona ein neues Leben begonnen haben. Rob Prince baute 2006 im fernen Neuseeland nach englischen Plänen an seinem Boot, als er im Internet auf die Anzeige von Maren Fischer aus Hamburg stieß, die nach dem Tod ihres Mannes nach einer weiblichen Begleitung für Reisen suchte. „Anstatt weiblicher Zuschriften bekam ich ständig Anfragen von Männern,“ so die damals 48-jährige Witwe, der der Sinn gar nicht nach Männerbekanntschaften stand. „Aber dem ’gentleman mail’ von Rob konnte ich nicht widerstehen und wir begannen, uns zu schreiben,“ erzählt Maren Fischer vom Kennenlernen. Ein halbes Jahr schrieben sie sich jeden Tag eine Stunde Mails. „Ich stellte fest, dass wir oft dasselbe dachten, wir nennen das Bingos. Es schien einfach zu passen,“ erzählt Rob, 63, mit einem Lächeln in Richtung seiner Frau, die gerade das Pilzrisotto rührt und mit selbst gepflanzten Kräutern von Deck abschmeckt. Kochen ist ihr Metier, Motor, Saugen und Steuern das seine.
In Belgien trafen die beiden vor sieben Jahren aufeinander und verbringen seitdem 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr zusammen. Die Catriona kannte Maren von der virtuellen Tour im Internet, auf die sie Rob im Vorfeld mitgenommen hatte. „Menschen, die viel Zeit auf Booten verbringen, entpuppen sich oft als sehr harmonische Paare, so ist das auch bei uns,“ sind sich beide einig. Einmal im Monat gäbe es eine kleine Diskussion, die dann aber schnell aus dem Weg geräumt sei, verrät der Skipper. Platz, sich aus dem Weg zu gehen, hätten sie ja, denn das Schiff verfügt über zwei Schlafräume und zwei Duschen, Küche und Wohnraum, sowie Waschmaschine und Trockner im Maschinenraum. So ist auch Platz für Freunde und Familie, die immer wieder Zeit an Bord verbringen, wenn die beiden in Europa sind. Sie genießen das Leben auf ihrem Boot. „Es ist eine tolle Art, die Welt zu bereisen, wir sehen jedes Jahr im Sommer viele tolle Orte in Europa, während wir den Winter im warmen Neuseeland verbringen, wo wir auch ein Segelboot haben und gerade an einem Haus bauen,“ erzählt Rob Prince über die optimale Jahresgestaltung. Langeweile komme auch in den Hafenstunden nie auf. „Im Gegenteil, wir spielen viel Scrabble. Irgendwann haben wir angefangen, uns Bücher vorzulesen, da Rob sich sichtlich langweilte, wenn ich leise für mich las. Einen Fernseher brauchen wir nicht. Im Zeitalter des Internets ist Information überall zugänglich,“ so das Paar, dass in der Regel in Englisch kommuniziert. „Robs Wille, Deutsch zu lernen, hat sich verstärkt, seitdem wir ein Enkelkind haben,“ freut sich Maren . Auch Rob berichtet stolz, dass er beim Bäcker an der Ecke auf Deutsch bestellt und dem Hafenmeister sagen konnte: „Mein Boot ist sieben Jahre alt.“Bereits vor drei Jahren verbrachte das Paar den Sommer in der Mecklenburger Seenplatte und fand Landschaft und Wasserqualität so beeindruckend, dass sie nun über die Havel, den Mittellandkanal und die Oder den Weg nach Ueckermünde fanden. „Wir mussten wegen des Windes von Stettin erst nach Kaminke fahren, denn unser Schiff ist eher für Binnengewässer und Flüsse gemacht,“ erinnert sich Rob an die Anfahrt. Weiter geht es nun Richtung Peene und irgendwann zurück nach Hamburg, wo die Catriona ab Oktober überwintert und das deutsch-neuseeländische Paar dann ins ferne Neuseeland fliegt, um ihr Haus zu beziehen und Segeltörns zu unternehmen. Ihre Begegnung sei eine einmalige Chance gewesen, die sie mit beiden Händen ergriffen haben und seitdem jeden Tag genießen.

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