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Warum ein Torgelower neidisch ist

Die Mädchen und Jungen vom Beirat haben sich mit ihren Gesprächspartnern zu einem Gruppenfoto aufgestellt. [KT_CREDIT] FOTO: L. Storbeck
Die Mädchen und Jungen vom Beirat haben sich mit ihren Gesprächspartnern zu einem Gruppenfoto aufgestellt. [KT_CREDIT] FOTO: L. Storbeck

VonLutz Storbeck

Es kommt nicht so oft vor, dass ganz junge Leute den Bürgermeister einer Stadt mit Fragen löchern können. Doch es kommt vor, wie sich in der Haffstadt gezeigt hat – der Kinder- und Jugend-Beirat Ueckermünde hatte einem Termin beim Rathauschef.

Ueckermünde.Fragen ist Ueckermündes Bürgermeister Gerd Walther (Die Linke) gewohnt. Doch es ist schon ein Unterschied, ob die Fragen von Erwachsenen kommen oder von jungen Leuten. Denn die nehmen wenig Rücksicht auf Etikette oder taktische Erwägungen. Sie fragen drauflos, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
„Wollten Sie schon immer Bürgermeister werden?“ war eine dieser Fragen, die aus dem Ueckermünder Kinder- und Jugend-Beirat (KiJuBe) kam. Nein, das habe er nicht von Anfang an vorgehabt. Aber in der Kommunalpolitik, da wollte er schon immer mitmischen und ist dort seit seinem 20. Lebensjahr aktiv. Bis 2013 war er zum Beispiel Bürgermeister in Vogelsang- Warsin. „Wie viele Schulden hat Ueckermünde?“ auch diese Frage kam wie aus der Pistole geschossen, und der Bürgermeister sagte, dass die Pro-Kopf-Verschuldung in Ueckermünde 275 Euro beträgt – und dann gab er gleich noch eine Rechenaufgabe mit – die Haffstadt hat insgesamt 9850 Einwohner – wie groß ist also die Verschuldung?
Doch die sechs Mädchen und zwei Jungen vom KiJuBe waren nicht nur ins Rathaus gekommen, um Fragen zu stellen. Sondern auch, um sich selbst ganz offiziell beim neuen Ratshauschef vorzustellen. Gegründet wurde der Beirat vor zwei Jahren in Eggesin. „Einige Projekte sind bereits umgesetzt“, berichtete Jule. So wurde einiges an der Toilette an der Regionalen Schule verbessert. In einem Medienprojekt ist zum Beispiel ein Flyer gestaltet worden. „Der befasst sich mit dem Thema Mediensucht“, sagte Fanny. Vorausgegangen waren einige Selbstversuche, berichteten die jungen Leute. Zum Beispiel probierten die jungen Leute aus, wie lang sie es ohne Facebook aushalten. Sie haben zudem getestet, wie viele Stunden junge Leute im Internet unterwegs sind. „Und da waren wir selbst überrascht“, hieß es.
Mit Hilfe des SPD-Kreistagspolitikers Patrick Dahlemann, der sich ebenfalls zu der Runde gesellt hatte, sind die Flyer gedruckt und nun an den Beirat übergeben worden. „Wir wollen die Flyer auslegen, in der Stadtverwaltung und auch in Arztpraxen“, sagte Jule.
Es gibt weitere Projekte, um die sich der Beirat gern kümmern würde – unter anderem um eine Neugestaltung der Cafeteria in der Regionalen Schule, um das Thema Skaterpark und weitere.
Ein Thema, das den jungern Leuten außerdem am Herzen liegt, ist der Erhalt der Stellen der Schulsozialarbeiter. Möglichst an jeder Schule sollte es so einen Sozialarbeiter geben, hieß es. Ein Thema, bei dem der Beirat auch auf politische Hilfe setzt, die von Bürgermeister Walther und auch von SPD-Mann Dahlemann. Nachgefragt wurde auch, ob der KiJuBe bei Sitzungen des Sozialausschusses der Stadtvertretung dabei sein dürfe. Bürgermeister Walther sieht da keine Schwierigkeiten – das Gremium tagt öffentlich. „Ich beneide die Stadt Ueckermünde darum, dass sie so einen Kinder- und Jugendbeirat hat“, gab Patrick Dahlemann zu, der in Torgelow wohnt. Schulsozialarbeiterin Ramona Gronow freute sich über dieses Lob, sagte aber auch, dass es ganz schwierig sei, die Arbeit des Beirates zu koordinieren. Die Mädchen und Jungen lernen an verschiedenen Schulen, haben unterschiedliche Stundenpläne, und deshalb ist es schwierig, Zusammenkünfte zu organisieren. Schon jetzt sei man auf der Suche nach jungen Leuten, die künftig im Beirat mitarbeiten wollen, wenn die „Alten“ nach und nach ausscheiden.

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