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Wenn der Krankentransport den letzten Nerv raubt

Jürgen Neumann  FOTO: K Müller
Jürgen Neumann FOTO: K Müller

VonKatja Müller

Ein Besuch im Krankenhaus verschafft Jürgen Neumann Linderung. Der 61-Jährige hat die Pflegestufe 1 und
ist auf ein Taxi angewiesen. Doch wenn die Fahrt zum Arzt zum Horror wird,
dann schaltet sich sogar die Krankenkasse ein.

Uecker-Randow.24 Tabletten muss Jürgen Neumann täglich schlucken. Acht Diagnosen haben ihm seine Ärzte gestellt. Und jeden Tag quält sich der Ueckermünder mit Schmerzen. Einzige Linderung verschaffen ihm die Behandlungen im Krankenhaus. Manchmal muss der
61-Jährige dazu auch nach Neubrandenburg. Selbst fahren, das kann Jürgen Neumann schon seit einigen Jahren nicht mehr. Und seit der letzten Hüft-Operation, ist es selbst mit dem Sitzen im Auto sehr schlecht. „Ich habe wirklich sehr liebe Nachbarn und Freunde, die haben mich bisher immer gefahren. Doch nun hat die Krankenkasse mir einen Krankentransport genehmigt“, erzählt er.
Mit seinen 61 Jahren hat er bereits eine 100-prozentige körperliche Behinderung und die Pflegestufe 1. Die Krankenkasse bezahlt die Transporte von seiner Wohnung in der Ueckermünder Oststadt bis zum Krankenhaus. „Das ist eine Erleichterung für mich und meine Frau“, meint er und holt tief Luft. „Doch leider war schon die erste Fahrt ein Reinfall“, fügt er hinzu.
Neumann hatte das Taxi schon einige Tage im Voraus bestellt. Alles war klar. Doch dann kam am Sonntag ein kurzer Anruf. Das Taxiunternehmen teilte mit, dass es nicht wie bestellt um 8.45 Uhr, sondern um 7.30 Uhr losgeht. „Das fand ich schon nicht so gut, denn es war ziemlich kurzfristig. Ich hätte mir sonst noch ein anderes Unternehmen gesucht. Aber am Sonntag ist das schlecht möglich“, sagt er. Dann kam das Taxi und brachte ihn zur Nuklearmedizin nach Neubrandenburg. Dort war er dann um 14 Uhr fertig. Das Taxi stand auch da. Doch es fuhr erst zwei Stunden später los, weil es noch auf weitere Mitfahrer warten musste, wie Jürgen Neumann erzählt. „Ich war erst um 17.30 Uhr zu Hause. Also war ich zehn Stunden unterwegs“, moniert der Senior.
Doch auch über die Art des Transportes ärgert sich Jürgen Neumann. „Ich habe vor acht Monaten eine neue Hüfte bekommen, die hat sich nun gelockert, und muss ausgetauscht werden. So sind wacklige Autofahrten eine Qual“, sagt Jürgen Neumann. Bei der Rückfahrt im Taxi musste er sich jedoch nach hinten setzen. „Ich wollte gern nach vorn, da ich dort mehr Beinfreiheit habe. Aber es war kein Reden mit dem Taxifahrer. Der Platz war einer anderen Dame versprochen. Wir saßen zu viert im Auto. Das ist alles andere als bequem“, wettert der Ueckermünder. Und er hat Recht.
Auch seine Krankenkasse kann diese Form des Krankentransports nicht nachvollziehen. „Wenn es um ambulante Behandlungen geht, dann hat jeder Patient von uns das Recht auf ein eigenes Taxi. Nur bei Dialysepatienten werden Gruppenfahrten gemacht. Aber in so einem Fall wie bei Herrn Neumann ist es nicht vertretbar, dass ein Patient so lange warten muss“, erklärt AOK-Pressesprecher Markus Juhls. In seinem Bereich Nord-Ost sei so ein Problem noch nicht aufgetreten, doch oft scheuen die Versicherten den Anruf bei der Krankenkasse. „Wir zahlen nicht gerade wenig für die Fahrten. Und da geht es nicht nur um die zurückgelegten Kilometer, sondern auch um einen angemessenen Transport“, sagt der Sprecher für den Bereich Nord-Ost. „Und wenn es Probleme gibt, dann immer an die Krankenkasse wenden, dafür sind wir doch da“, betont Juhls.

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