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Wie Kinder Barrieren ganz einfach abbauen

Wie es ist, mit dem Rollstuhl im Alltag zurecht zu kommen, zeigte Christian Pasche der Torgelower Viertklässlerin Jennifer Falkenau.  FOTO: K. Müller
Wie es ist, mit dem Rollstuhl im Alltag zurecht zu kommen, zeigte Christian Pasche der Torgelower Viertklässlerin Jennifer Falkenau. FOTO: K. Müller

VonKatja Müller

Berührungsängste? Keine Spur! Das kennen die Grundschüler der Torgelower Pestalozzi Schule nicht. Eine Woche haben sie zusammen
mit Behinderten
die Welt der Handicaps
erforscht.

Torgelow.Lautes Grölen dringt aus der Turnhalle in den Frühlingshimmel. In der Torgelower Pestalozzi Grundschule wird nicht etwa für ein großes Fußballspiel geübt. Es werden Vorurteile bekämpft. Denn als einzige Schule im Kreis nimmt die Bildungseinrichtung regelmäßig an der Aktion des Verbands für Behinderten- und Rehabilitationssport teil. Unter der Schirmherrschaft des Behindertenbeirates des Landkreises werden an vier Tagen Barrieren abgebaut.
Einer der aktiven Helfer ist Christian Paschke. Der Greifswalder ist zum Teil auf den Rollstuhl angewiesen. Er hat den Kindern gestern gezeigt, welche Hürden es für Menschen im Rollstuhl täglich zu meistern gilt. Und noch mehr. Denn die Grundschüler der 4. Klasse konnten auch selbst mit dem Rollstuhl ganz alltägliche Dinge probieren. Schon oft scheitern Rollstuhlfahrer an kleinen Stufen. Auch eine Tür ist für sie nicht immer leicht zu bezwingen. Jennifer Falke hat es probiert: „Das ist ganz schön schwer. Was für uns überhaupt nicht problematisch ist, ist mit dem Rollstuhl ein ganz schöner Kraftakt“, erklärt die Grundschülerin. Aber sie hat Spaß. „So kann man das wenigstens mal nachvollziehen, wie es für die Menschen mit Behinderung ist. Ich finde gut, dass wir in der Projektwoche solche Dinge ausprobieren können“, erklärt die Viertklässlerin.
Auch Christian Paschke ist es wichtig, dass seine Mitmenschen keine Berührungsängste haben. „Es ist wirklich wichtig, dass man damit ganz früh anfängt. Und die Kinder machen auch prima mit“, freut sich der Greifswalder. Almut Manteufel ist ebenso überzeugt von der langfristigen Wirkung dieser Projektwoche. „Die Kinder sind wirklich aufgeschlossen und wollen die Welt der Behinderten verstehen. Das ist mit so einer Projektwoche eine tolle Sache, denn sie lernen auch ganz viel über ihren eigenen Körper“, erklärt die Schulleiterin. So haben sich die Zweitklässler intensiv mit der Problematik Schwerhörigkeit beschäftigt und eine andere Klassenstufe mit den visuellen Behinderungen. „Wir haben ein Dinner im Dunkeln vorbereitet und da konnten sie auch ausprobieren wie es ist, ganz ohne Augenlicht auszukommen“, ergänzt Almut Manteufel.

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k.mueller@nordkurier.de

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