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Wo Malerei auf Fotografie trifft

„Roter Mohn“ nennt Karl Zimmermann diese Malerei (Acryl auf Leinwand). [KT_CREDIT]
„Roter Mohn“ nennt Karl Zimmermann diese Malerei (Acryl auf Leinwand). [KT_CREDIT]

VonUta Bilaczewski

Der eine malt mit dem Pinsel und der andere malt mit
dem Computer. Der eine experimentiert mit der Kamera und der andere mit Farbe auf der Leinwand.
Der eine arbeitet als Wirtschaftsberater und
der andere als Architekt.
Die Rede ist von Karl Zimmermann und Hans Giger. Beide stellen in der Luckower Kirche aus.
Luckow.Hobbykünstler? So sehen sich Karl Zimmermann aus Torgelow und Hans Giger aus Eichhof nicht. Was sie allerdings von einem Künstler unterscheidet, ist, dass beide nicht von ihrer Kunst leben müssen. Sie können sich ihrem Talent ungezwungen in der Freizeit widmen.
So malt Karl Zimmermann schon viele Jahrzehnte, ausgestellt hat er seine Werke allerdings bisher noch nie. Die Schau in der Luckower Kirche ist für den Wirtschaftsberater also eine Premiere. Zuhause fühlt sich der Torgelower im Expressionismus. Gesellschaftskritisch setzt er sich unter anderem mit Farbe und Pinsel auseinander. Dabei versteht er das Malen als einen Prozess. So sitzt Karl Zimmermann manchmal ewig vor einer weißen Leinwand und manchmal ist er mit einem Bild auch blitzschnell fertig. Hat man erstmal angefangen, lebt die Malerei von der Spontanität aus einem Strich oder einem Farbklecks etwas zu machen, sagt Karl Zimmermann über sein Verständnis der Malerei. „Das Produkt braucht eine Seele. Man muss von dem, was man sieht, angesprochen werden“, so Zimmermann.
Im Vergleich zu traditionellen Bildformen wie Malerei oder Grafik ist die Fotografie ein noch relativ junges Medium. „Sie ist etwa 170 Jahre alt“, erklärt Hans Giger. So verwendeten renommierte Maler die neue Technik bewusst und ersetzten mit dem Fotoapparat das Skizzenbuch. Also als technischen Notbehelf, erklärt der Eichhofer.
Erst in den letzten 35 bis 40 Jahren des 20. Jahrhunderts entstand eine eigene Kunstrichtung. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die Fotografie durch die Digitalisierung schließlich vollkommen revolutioniert. „Die Speicherung der Aufnahmen auf Datenträgern vereinfachte die Fotografie entscheidend“, so Giger. Er ist allerdings der Meinung, auch wenn die Fotografie einen Wandel durchgemacht hat, wie keine andere Kunstrichtung, ist sie dennoch eine solche geblieben. Man müsse sie möglicherweise nur neu definieren. Nicht mehr die Beherrschung der Kamera als Werkzeug, das Warten auf die richtige Beleuchtung – also die Zeit – und das Entwickeln und Kopieren stehen im Vordergrund, sondern das Motiv. „Wir Fotografen wollen nicht nur ablichten, sondern hinter die Fassade blicken“. Die durch die Technisierung gewonne Zeit schafft Platz für andere Dinge. „Ein gutes Beispiel dafür ist das Portrait. So war früher das klassische Portrait die perfekte Ablichtung, und heute versuchen wir darzustellen, was hinter dem Gesicht vorhanden ist“, erklärt der Eichhofer weiter. Kurzum: Die neue Bildform ist eigentlich eine Kombination von Fotografie und Malerei. Giger nennt denn seine Arbeiten auch „Photografik“. Vor allem die Architekturfotografie, die es berufsbedingt dem Eichhofer besonders angetan hat, wird oft eher als Zeichnung oder Gemälde wahrgenommen, denn als die bloße Darstellung eines Gebäudes.
Und so haben sich Hans Giger und Karl Zimmermann, der eine als Maler und der andere als Fotograf, in ihrer Freizeit natürlich viel zu erzählen. Sicher dreht sich dann einiges um die Kunst, also um Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Malerei und Fotografie, aber sie genießen auch einfach nur die Bilder des jeweils anderen. Gern verbringen die beiden Männer nämlich auch ihre Freizeit zusammen. Ob Theater oder Picknick – zu bereden gibt es genug.
Haben Sie Lust bekommen auf diese interessante Gemeinschaftsausstellung? Dann besuchen Sie am kommenden Freitag, 14. Juni, um 19 Uhr die Luckower Fachwerkkirche. Dann startet der Kunstsommer 2013 in die zweite Runde. Eine Laudatio im klassischen Sinne wird es an diesem Abend nicht geben, war von Zimmermann und Giger zu erfahren. Sie möchten in Form eines Interviews vorgestellt werden. Diese Aufgabe übernimmt Dr. Markus Dittmann, Direktor des Ueckermünder Greifen-Gymnasiums. Bei Wein, Gebäck und Kaffee wird es sicher wieder ein sehr kurzweiliger Abend. Schauen Sie doch einfach mal vorbei und machen sich selbst ein Bild, wie unterschiedlich oder aber wie gleich Malerei und Fotografie tatsächlich sind. Die Schau ist überschrieben mit dem Spruch: Du siehst Dinge und sagst: „Warum?“. Aber ich träume Dinge, die es nie gab, und sage: „Warum nicht?“ (George Bernard Shaw).
Musikalisch wird die Ausstellungseröffnung in Luckow begleitet von Liesbeth Wagner und Max Niewandt von der Kreismusikschule Uecker-Randow.

Kontakt zur Autorin
u.bilaczewski@nordkurier.de

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