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Der letzte Weg des gefährlichen Geisterschiffes

Eine Bergungsfirma pumpt das Wrack der „Atlantis II“ derzeit aus, damit es nach Stettin verschifft werden kann.  FOTO: Sandra Grüning
Eine Bergungsfirma pumpt das Wrack der „Atlantis II“ derzeit aus, damit es nach Stettin verschifft werden kann. FOTO: Sandra Grüning

VonSandra Grüning

Mehr als 16 Jahre hatte
das einstige Butterschiff „Atlantis II“ am Yachtanlieger Netzelkow im Achterwasser vor sich hin gedümpelt, ist voller Wasser gelaufen und war sogar zweimal auf Grund gesackt. Jetzt wird das Schrottschiff von einer Spezialfirma geborgen und zum Verschrotten nach
Stettin geschafft.

Netzelkow.Das, was dort aus den Rohren heraussprudelt, ist schwarz und stinkt erbärmlich. Kein Wunder: Das Wasser, das die Taucher- und Bergungsfirma „Baltic Rostock“ im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund aus dem Rumpf des Schrottschiffes „Atlantis II“ pumpt, ist viele Jahre alt. Die unteren Decks sind völlig überflutet, haben das Schiff in eine gefährliche Schräglage gebracht.
Dabei sollte das Hochseeschiff, das einst als Butterschiff Kaffeefahrten zwischen Helgoland und Festlandhäfen unternahm, eigentlich nur 14 Tage am Yachtanlieger Netzelkow ankern, abwarten bis das Eis auf dem Achterwasser getaut ist. Das war 1996. Seitdem dümpelt das 53 Meter lange Schiff am Brückenkopf des Hafens vor sich hin. Zweimal war es auf Grund gesackt.
Doch niemand fühlte sich verantwortlich. Der Eigentümer war plötzlich nicht mehr auszumachen. Alle Unterlagen über das Geisterschiff waren verschwunden. Doch damit gab sich Yachtanlieger-Besitzer Peter Stadermann nicht zufrieden. 16 Jahre lang kämpfte er darum, dass das Wrack entsorgt wird. Nun ist es endlich so weit. In den kommenden Tagen soll der Rumpf des Schiffes leer gepumpt und angehoben werden. Dazu hat die Bergungsfirma mit einem Ponton direkt am Wrack angelegt. Darauf befindet sich ein Kran, der die große Pumpen an Bord des alten Kahns hievt. Derzeit untersuchen Taucher den Rumpf auf Schäden. „Knapp 18 Stunden wird das Leerpumpen wohl dauern“, sagt Yachtanlieger-Besitzer Stadermann. Er ist heilfroh, dass der Schandfleck endlich wegkommt.
Um Umweltschäden zu vermeiden, hatte Stadermann 1998 in Abstimmung mit den Umweltbehörden rund 4000 Liter eines Öl-Wassergemisches abgepumpt. Das Schiff wurde mit Ölsperren gesichert. Nun jedoch wurde festgestellt, dass sich noch immer genug schädliche Flüssigkeiten an Bord befinden und von dem Wrack eine akute Umweltgefahr ausgeht. Das Wasser- und Schifffahrtsamt informierte, dass das Schiff voraussichtlich am 29. April mit einem Schubschiff in das polnische Stettin gebracht werden kann. Dort soll es zerlegt und entsorgt werden. Wie das Amt weiter mitteilte, übernimmt die Bundesbehörde die Bergungskosten in sechsstellige Höhe. Yachtanlieger-Besitzer Stadermann hat nun aber Angst, dass die Kosten auf ihn abgewälzt werden. Auch auf den Liegegebühren für 16 Jahre wartet er bis heute.

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s.gruening@nordkurier.de

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