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Die erste Musikschule nach dem Krieg feiert 65.

Der zehnjährige Max-Robin Schultz spielt gern Violine. Bereits seit fünf Jahren hat er Unterricht bei Sergej Ernst an der Musikschule in Anklam. [KT_CREDIT] FOTO: A. Rau
Der zehnjährige Max-Robin Schultz spielt gern Violine. Bereits seit fünf Jahren hat er Unterricht bei Sergej Ernst an der Musikschule in Anklam. [KT_CREDIT] FOTO: A. Rau

VonOla Minkenberg

Die Kreismusikschule Wolgast-Anklam hat Geburtstag. Grund genug, ein ganzes Jahr zu feiern.

Anklam.Eine besondere Lektüre lag in den vergangenen Monaten auf dem Nachttisch von Marika Guddat. Die Musikschulleiterin schmökerte ausgiebig in den alten Brigadebüchern und Chroniken der Einrichtung. Anlass dafür war das 65. Jubiläum, das die Kreismusikschule Wolgast-Anklam in diesem Jahr feiern kann. „Wir sind die erste nach dem Krieg in Ostdeutschland gegründete Musikschule“, macht sie deutlich. An die heute knapp 1100 Schüler war damals allerdings noch nicht zu denken.
In der von Erich Beltz 1948 in Heringsdorf gegründeten privaten Volksmusikschule wurden insgesamt 39 Mädchen und Jungen vor allem im Streicherbereich unterrichtet. Schon 1950 wurde die Schule verstaatlicht und 1953 in Volksmusikschule Wolgast-Heringsdorf umbenannt. 1968 folgte der Zusammenschluss mit Greifswald, der aber im Jahr 1983 wieder aufgelöst wurde – aus welchem Grund, ist heute nicht mehr ganz klar.
Die damalige Kreismusikschule Wolgast startete mit 270 Schülern, kam bis zur Wende auf rund 500. In den 90-er Jahren verdoppelte sich diese Zahl vor allem durch die Einführung der musikalischen Früherziehung und den Zusammenschluss mit der Anklamer Musikschule, die 1996 vier Lehrkräfte und130 Schülermitbrachte. So wurden 2012 insgesamt 399 männliche und 695 weibliche Schüler gezählt, von denen die Jüngsten vier Jahre und immerhin sieben älter als 65 Jahre waren. Für ihren Unterricht sorgen 21 hauptamtliche Lehrer und 16 Honorarkräfte.
Unter ihnen sind übrigens einige, die einst selbst die ersten musikalischen Schritte in der Kreismusikschule machten. Neben Leiterin Marika Guddat gehören dazu Karola Baltsch, Cathleen Holz, Hans-Joachim Kruse, Esther Oelsner und Manfred Fretwurst. Zum Jubiläum würde sich Marika Guddat freuen, wenn sich viele ehemalige Schüler oder Lehrer an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte melden würden. Denn einerseits gibt es einige Löcher in der Chronik, die zur Wende abbricht, andererseits ist zum Jubiläum eine kleine Ausstellung geplant, für die noch historische Fotos, aber auch kleine Anekdoten oder lustige Begebenheiten gesucht werden. „Wir haben zum Beispiel keine Aufnahmen vom Unterricht im alten Gebäude in der Schützenstraße“, sagt sie.
Gefeiert wird das Jubiläum diesmal mit Veranstaltungen an allen Hauptorten der Einrichtung. Zum Auftakt gibt es am 4. Mai ein Lehrerkonzert im Atelier Otto Niemeyer-Holstein, am 8. Juni folgt ein Hoffest mit Musik und Tanz in Anklam, bevor beim Open-Air-Konzert in Heringsdorf vor allem die Ensembles der Kreismusikschule vom Deutsch-Polnischen Akkordeonorchester über Bläserensemble bis zur Klezmerband ihren Auftritt haben. Die feierliche Festveranstaltung ist schließlich am 8. November im Wolgaster Saal der Musikschule geplant. Wer dabei sein möchte, kann sich im Sekretariat der Musikschule, Telefon 03836 202413, melden.

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