Dezember 29, 2011
Drucken 
Brauchtum von Redaktion

So klappt‘s mit dem Silvesterkarpfen

Traditionell kommt zu Silvester Fisch auf den Tisch. Auch wenn immer weniger Vorpommern dem Karpfenschmaus frönen, erklärt das Fischer-Ehepaar Lange die wichtigsten Tipps rund um den frischen Fisch.

Karpfen gibt es in der Peene nicht, doch diesen kapitalen Hecht hat Ricarda Langes Mann noch selbst gefangen.
Karpfen gibt es in der Peene nicht, doch diesen kapitalen Hecht hat Ricarda Langes Mann noch selbst gefangen.
Foto: Carsten Schönebeck
Vorpommern (Carsten Schönebeck)  

Nach Weihnachtsgans und Festtagsbraten darf es zu Silvester gerne etwas leichter sein. Doch der Silvesterkarpfen in der heimischen Badewanne gehört offenbar der Vergangenheit an. Auch bei Fischer Erk Lange und seiner Frau Ricarda gehen jedes Jahr weniger Bestellungen für den Süßwasserfisch ein. „Es ist vor allem eine Generationenfrage. Die jungen Leute kaufen insgesamt weniger Fisch“, sagt Ricarda Lange, die an ihrem Stand in Greifswald viermal die Woche nicht nur den eigenen Fang feil bietet. Strenge Fangquoten haben dazu geführt, dass die Wasserbewohner nicht mehr preiswerter sind als Fleisch. Wer sich dennoch für einen schuppigen Gesellen entscheidet, der will zum Jahresabschluss meist etwas richtig Edles. „Zander und Lachs sind im Moment besonders gefragt“, sagt die Usedomerin.


Nach fast 20 Jahren im Geschäft weiß sie natürlich trotzdem, wo-rauf es beim Karpfen ankommt. „Ich verkaufe nur Karpfen aus deutscher Zucht“, erklärt sie. Zwar gebe es den Fisch in Osteuropa günstiger, hier würde man sich aber weniger Zeit nehmen, um den Fisch zu wässern. Denn Schlamm und Schleim der Teiche haben auch Auswirkungen auf den Geschmack des Fisches. In Deutschland werden die Tiere, bevor es ihnen an den Kragen geht, für mehrere Wochen in frisches Wasser gesetzt, um die Tümpelaromen wieder los zu werden. Beim wilden Karpfen wurde das früher mit ein paar Tagen Badewanne erledigt. Doch der ist kaum noch zu bekommen, einzelne Formen stehen inzwischen auf der Liste der gefährdeten Tierarten.


Egal, ob gekauft oder selbst gefangen, der Gesetzgeber verlangt inzwischen, dass das Tier an Ort und Stelle getötet wird. Glänzende Schuppen, rote Kiemen und wache Augen, dass sind die untrüglichen Zeichen für frischen Fisch. Wer nicht umhinkommt, seinen Silvesterkarpfen schon vor dem Tag der Zubereitung zu kaufen, für den hält das Fischer-Pärchen noch ein paar Tipps parat. „Unausgenommen und bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hält sich Fisch am besten. Außerdem sollte er nicht im geschlossenen Plastikbeutel aufbewahrt werden, damit die Luft zirkulieren kann“, erklärt Erk Lange.


Für die Zubereitung empfiehlt seine Frau den Ofen. Ist der Fisch mit Salz, Pfeffer, Zitrone und Petersilie gewürzt, wird er mit der Bauchhöhle über eine Tasse auf dem Blech gestülpt. So gart der stehende Karpfen gleichmäßig. Mit in den Ofen kommt jede Menge Wurzelgemüse. Bei 180 Grad braucht es je nach Größe gut 50 Minuten, bis das Essen fertig ist. Wer mag kann den Fisch zwischendurch mit ein wenig Butter übergießen.


Karpfen hin, Zander her – bei Familie Lange gibt es an Silvester Bockwurst mit Kartoffelsalat. „Wenn man den ganzen Tag mit Fisch zu tun hat, braucht man den nicht noch jeden Abend auf dem Tisch“, lacht die Fischverkäuferin.

Bookmark and Share
Kontakt

Insel-Zeitung

Büro Heringsdorf
Am Bahnhof 1
17424 Heringsdorf

Inselreporterin Sandra Grüning
Telefon: 038378 30953
Fax: 038378 30938
E-Mail: inselzeitung@nordkurier.de