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Uhuuu, die greifen aber schnell zu!

VonIvo Hilgenfeldt

Seit wenigen Wochen ist
die Insel Usedom um eine Attraktion reicher. Mehrmals in der Woche lässt Falkner Markus Hammer in Stolpe seine pfeilschnellen, fliegenden Jäger aufsteigen. So nah kommt man Steinadler, Uhu & Co.
sonst nie.

Stople auf Usedom.Sibirischer Uhu, Steinadler und Wüstenbussard – Greifvögel sind sein Leben. Markus Hammer steht auf einer Wiese in der Nähe des Stolper Hofes, Landweg 1. Dort lässt der aus Karlsruhe stammende Falkner zweimal täglich bei einer Flugshow seine majestätischen Beutegreifer fliegen. An der linken Hand trägt er einen Falknerhandschuh, der seinen Arm vor den spitzen Krallen und den scharfen Schnäbeln seiner Vögel schützen soll. „Doch das klappt nicht immer“, sagt er. Das hat Spuren hinterlassen. Wo andere Tätowierungen an den Armen sammeln, mehrt der 47-Jährige Narben. „Jede einzelne davon erzählt eine Geschichte“, sagt er.
Die Greifvögel haben hervorragende Augen, sie können etwa 20 Mal besser sehen als Menschen. Und so entgeht dem aufmerksamen Bussard auch nicht, dass sein Trainer einen Leckerbissen auf den Handschuh gelegt hat – ein totes Kücken. Er taxiert den Leckerbissen kurz, steigt von seinem Baumstamm auf und landet nur Sekunden später auf dem Handschuh und verschlingt die Beute. „Normalerweise jagen Greifvögel nur kranke und schwache Tiere, aber der Mensch richtet die majestätischen Vögel seit Jahrtausenden ab und setzt sie zur Jagd ein“, erklärt Hammer. Die Geschichte der Falknerei geht zurück bis ins alte Ägypten, wo Falken als Bindeglied zwischen Himmel und Erde verehrt wurden. Einer der bekanntesten Fans der Falknerei war Kaiser Friedrich II. (1194-1250).
Das Beizen (auf Beute abrichten) von Greifvögeln macht Hammer schon seit 1989. „Damals habe ich angefangen, Habichte auf Kaninchen zu beizen“, erzählt der aus Karlsruhe stammende Falkner. Dann hat er das Hobby zum Beruf gemacht.
Seine Greifvögel hat er alle mit der Hand aufgezogen. Um diese Vögel an den Menschen zu gewöhnen, braucht es vor allem Einfühlungsvermögen, Erfahrung und einen langen Atem. Über all diese Tugenden verfügt Markus Hammer. „Das liegt mir im Blut.“
Hammer hat verschiedene Vögel: Da ist beispielsweise der vier Jahre alte sibirische Uhu Waltraud. Der nachtaktive Jäger bringt drei Kilogramm auf die Waage bringt – schaut aufgeplustert aber locker nach doppelt so viel aus. Dann gibt es da noch den sechs Kilogramm schweren Steinadler Nicole, der stolze 23 Jahre alt ist und fast genauso lange arbeitet mit dem Falkner zusammen arbeitet. Den riesigen Adler kann er in Stolpe nicht frei fliegen lassen. „Nicole wäre eine Gefahr für Hunde oder Rehe“. Derzeit arbeitet er intensiv mit einem jungen Falken, den er später in die Show integrieren will.
Hammer ist viel herumgekommen, hat in Belgien, in der Eifel und zuletzt an der Müritz gearbeitet. Seit er vor knapp einem Jahr auf die Insel Usedom kam, steht für ihn eines fest: „In die Großstadt will ich nie wieder!“ Davon hat der 47-Jährige die Nase voll. „Hier ist die Natur wenigstens noch intakt“, sagt er.
Den Gästen der Falknershow hat es gefallen. „Diesen majestätischen Vögeln Auge in Auge zu erleben, das war einfach toll“, sagt ein Vogel-Freund. Und ganz nebenbei erfährt man Wissenswertes über die Haltung, Hege und Pflege von Greifvögeln.
Der Eintritt zur Show kostet 6 Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder. Flugshows gibt es bis Oktober zweimal täglich um 10.30 Uhr und um 14.30 Uhr.

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