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Wenig Unterstützung: Achterkerke- Stiftung will Usedom verlassen

Die auf Usedom ansässige Achterkerke-Stiftung erwägt, sich von der Insel zurückzuziehen und ihren Standort nach Braunschweig zu verlagern. Stiftungsvater Heinz-Egon Achterkerke klagt über mangelnde Unterstützung aus der Politik auf der Insel. Unser Mitarbeiter Ivo Hilgenfeldt sprach mit dem Unternehmer über
die Gründe für diesen drastischen Schritt.

Warum erwägen Sie,
die Insel zu verlassen?
Als wir die Stiftung vor fünf Jahren gegründet haben, wussten wir nicht genau, ob es auch auf Usedom so funktionieren würde wie wir es aus Braunschweig kennen. Da gibt es 144 verschiedene Stiftungen, die auch von der Politik anerkannt werden. Das ist in anderen Regionen wie Lübeck, Rostock oder Greifswald nicht anders. Nur hier auf Usedom unterstützt die Politik uns nicht. Im Mai sind die fünf Jahre um, dann setzt sich das Kuratorium der Stiftung zusammensetzen und entscheidet, ob es zukünftig sinnvoll ist, den Sitz der Stiftung auf Usedom zu belassen.

Warum gerade jetzt?
Wenn eine Stiftung von den politischen Akteuren vor Ort nicht unterstützt wird, dann kann sie auch nicht nach außen wirken. In anderen Regionen sind Stiftungen ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft, ohne diese speziellen Strukturen würde dort die ganze Bildungslandschaft nicht mehr funktionieren. Es ist ein Glücksfall, wenn jemand Millionen zur Verfügung stellt, damit Kinder und junge Leute eine bessere Bildung bekommen. Das Ziel, andere Menschen dazu zu bewegen, auch Stiftungen zu gründen, haben wir aber verfehlt. Viele Verantwortliche haben uns einfach totgeschwiegen. Auch steht die Gemeindevertretung in Heringsdorf nicht hinter dieser Stiftung. Da stellt sich uns die Frage, wenn wir nicht gewollt sind, warum sollen wir uns das weiter antun?

Was ist das Ziel
der Stiftung?
Wir haben uns zwei Ziele gesteckt. Das eine ist die Wertevermittlung. Dabei geht es darum, Projekte aufzulegen, mit denen Schulen unterstützt und Werte vermittelt werden. Darüber hinaus fördert die Stiftung begabte Kinder aus Familien, die wenig Geld haben, um ihnen die gleichen Chancen zu ermöglichen wie anderen Kindern.

Wie viel Geld wurde so pro Jahr auf der Insel verteilt?
Für derartige Projekte stehen über die Stiftung zwischen 60000 bis 100000 Euro im Jahr zur Verfügung.

Seit fünf Jahren sind Sie auf Usedom aktiv, wie viele haben Sie in dieser Zeit unterstützt?
Das waren 30 bis 40 verschiedene Projekte, unter anderem rüsten wir die Schulen mit Computern aus, wir unterstützen Kinder, damit sie in Vereinen aktiv sein können oder die Vereine selbst bei ihrer Jugendarbeit.

Darunter war auch ein
junger Neonazi aus
Usedom Stadt. Haben
Sie davon gewusst?
Ja, das ist mir bekannt. Das ist ein ganz besonderer Fall. Zwei junge Leute, die eine Ausbildung als Glaser oder Dachdecker machen, müssen ins Internat nach Lübeck oder Rostock. Die Lehrlinge konnten sich das nicht leisten. Der damalige Chef der Sozialagentur (Kurt Rabe, Anm. d. Red.) kam auf mich zu und bat mich, diese Kosten zu übernehmen, da die Jugendlichen sonst ihre Lehre hätten abbrechen müssen. Als bekannt wurde, dass einer von ihnen im rechten Milieu aktiv war, haben wir die Förderung sofort abgebrochen. Wir können nur junge Leute fördern, die demokratisch denken.

Wie könnte man zukünftig verhindern, dass so etwas noch einmal passiert?
Wir können nicht jeden komplett durchchecken. Ich persönlich würde sagen, man müsste trotzdem versuchen, diese jungen Leute nicht im Stich und komplett durch das Sieb fallen zu lassen.

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