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Wenn er gafft, kommt Kunst raus

Früher hat David Pawelczyk urbane Landschaften gezeichnet, eine Weile auch Porträts. Jetzt verschmilzt er beides. [KT_CREDIT] FOTO: Sandra Grüning
Früher hat David Pawelczyk urbane Landschaften gezeichnet, eine Weile auch Porträts. Jetzt verschmilzt er beides. [KT_CREDIT] FOTO: Sandra Grüning

VonSandra Grüning

Wenn Sie sich in den letzten Tagen am Usedomer Strand beobachtet gefühlt haben sollten, können wir Sie beruhigen – das war Kunst.
Die ist ab Sonntag zu sehen.

Kaiserbäder.David Pawelczyk nimmt einen Schluck aus seinem Weinglas und überlegt. Er kauert auf dem Sand, kramt in seinen Malutensilien, nimmt noch einen Schluck. „Wein inspiriert mich“, sagt er, lacht und betrachtet die alte Frau auf dem Bild vor sich. Der Himmel hinter ihr ist schreiend rosa. Genauso wie das Meer. Es ist sein Empfinden, das Pawelczyk in das Bild hinein malt. Und für ihn heißt das nicht, dass er die Landschaft eins zu eins auf die Leinwand überträgt. Ein wenig skeptisch beobachten Strandgänger den Maler. Dabei ist der 29-Jährige nicht allein.
Zu siebt sind sie derzeit auf der Insel Usedom unterwegs. Unter dem Motto „Sieben malen am Meer“ treffen sich zum neunten Mal Künstler zum Kaiserbäder Pleinair. Neben Henrik Scheel aus Dänemark, Volker Scharnefsky, Dieter Weidenbach und Sigurd Wendland aus Deutschland sind zum ersten Mal auch drei polnische Maler dabei. Julita Malinowska, Krzysztof Rzezniczek und David Pawelczyk. Früher hat Pawelczyk nur urbane Landschaften gemalt – ohne Menschen. Dann eine Weile Porträts. Jetzt ist er dabei, beides in einer Art Symbiose zu vereinen.
Krzysztof Rzezniczek kniet derweil vor seiner kleinen Staffelei und wischt mit schnellen Pinselstrichen die Strandlandschaft auf die Leinwand. Eigentlich arbeitet er lieber nachts. „Die Stimmung des wenigen Lichts hat dann einen besonderen Reiz“, erklärt er. Für seine Doktorarbeit will er einen Zyklus von Nachtbildern fertigen. Am liebsten während des Kaiserbäder Pleinair.
Eine völlig andere Herangehensweise hat Julita Malinowska. Sie sieht sich als Voyeurin, die die Menschen am Strand oder versteckt von den Dünen aus beobachtet und mit der Videokamera aufnimmt. „Nach einer Weile vergessen die Menschen mich, bewegen sich ganz natürlich. So erhalte ich intime Einblicke“, beschreibt sie. Erst später fügt sie die Videoeindrücke wie bei einer Collage malend zusammen. Normalerweise tut sie das auf riesigen Formaten. Für das Usedomer Pleinair hat sie sich auf kleinere Maße beschränkt.
Begleitet werden die sieben Maler vom Schriftsteller Piotr Olszówka. Er schaut den Künstlern über die Schulter, macht sich Wortskizzen, um am Ende seine Eindrücke in ganz eigenen Wortschöpfungen auf das Papier des Pleinair-Kataloges zu bringen. „Mich plagt prämortale Bettflucht“, sagt der Maler Dieter Weidenbach. Um vier Uhr früh war er schon unterwegs, um zu malen. Aber vielleicht sei das auch nur die Freude, an der Ostsee zu sein. „Ich lebe auf, wenn ich Meeresluft rieche.“ Was nach sieben Tagen entstanden ist, zeigt von diesem Sonntag an ab 17 Uhr eine Ausstellung in der Villa Irmgard.

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