Nordkurier.de

0904_MZ_TACHOREKORD

Von unserem Mitarbeiter
Sören Musyal

Wir suchen Autos, die viele hunderttausende Kilometer in den Knochen haben und immer noch ihren Dienst tun. Auf unserer Suche nach dem „Rekord-Tacho“ haben sich schon viele Müritzer gemeldet.

Malchow.Der dunkelgraue Unterbodenschutz in den Radkästen des weißen Mercedes ist nicht zu übersehen – der Winter hinterlässt auch an Heinz Tirgraths Auto Spuren. „Ist doch klar“, sagt der Malchower, „ich fahre ja auch jeden Tag damit.“ Seit fast 20 Jahren schonTrotz der 501 490 zurückgelegten Kilometern. „Er“, das ist ein weißer Mercedes 250 D, der eigentlich Elfriede heißt. Warum weiß Tirgrath auch nicht: „Bei uns hieß bisher jedes Auto so.“
Eines aber weiß der stolze Autobesitzer ganz sicher. Was Elfriede schon alles buckeln musste, das sei unglaublich. Nicht nur, dass Tirgrath viele Jahre über 70 Kilometer zur Arbeit pendelte, er lebte auch weit weg von seiner jetzigen Heimat. Zwischen 1989 und 2004 wohnten er und seine Frau in Köln. „Etwas Geld verdienen“, wie er verrät. Doch schon immer hätte festgestanden, dass sie irgendwann zurück kämen und so musste Elfriede mehrmals im Jahr die Heimreise antreten. Es muss eine Odyssee für das 1986 gebaute Auto gewesen sein: 640 Kilometer hin, der Hänger voll beladen mit Baumaterial für das Haus in Malchow. 640 Kilometer zurück, der Hänger voll mit Feldsteinen für einen Freund. „Die haben hier ja nichts gekostet“, rechtfertigt Tirgrath Elfriedes hohe Arbeitsbelastung. Nach jeder langen Fahrt bekäme sein Auto aber einen kleinen Klaps und ein Streicheln als Belohnung.
Und tatsächlich: Elfriede scheint es ihm zu danken. Bis auf das Getriebe sei noch nie etwas Großes kaputt gewesen. „Die nächsten drei Jahre soll das auch so bleiben“, hofft Tirgrath. Dann nämlich wird sein Auto 30 Jahre alt und ist wegen des Originalmotors offiziell ein Oldtimer. „Klar, will ich, dass er ein Oldtimer wird. Allein, weil das weniger Steuern kostet.“ Doch nicht nur deswegen hofft Tirgrath auf ein langes Leben seines fahrbaren Untersatzes. „Ich liebe das Auto“, verrät er mit einem Lächeln. Der Verlust würde ihm das Herz brechen. Hinweise auf ein vorzeitiges Ableben Elfriedes gibt es bislang nicht. „Der TÜV ist nie ein Problem gewesen." Nur einmal, da hätte ihm sein Mercedes einen Streich gespielt: „Zu Hause ging das Bremslicht noch. Bei der Durchsicht machte es dann keinen Mucks mehr.“ Vielleicht sei das ja Elfriedes kleine Rache für viele voll bepackte Kilometer gewesen.

Am Sonnabend in Waren, wenn die Autohäuser der Region ihre neuesten Modelle auf dem neuen Markt präsentieren, hat sich auch der Nordkurier wieder etwas einfallen lassen und den Hauptgewinn für das Ereignis spendiert. Wer seinen Teilnahmeschein bei allen Ausstellern fleißig bestätigen lässt und wem am Ende der Veranstaltung das Glück hold ist, darf sich über ein 3-Tages-Arrangement in Schwerin freuen.

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