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40 Stunden reichen nicht: Müritzer im Zweitjob-Stress

VonCarsten Schönebeck

Viel Arbeit, wenig Lohn. Gewerkschaften prangern an, dass immer mehr Menschen auf Minijobs angewiesen sind. Eine Studie zeigt, wie es in der Müritzregion um das Thema bestellt ist.

Waren.Der Minijob soll ein Einstieg in den Arbeitsmarkt sein. Ein Anreiz für Unternehmen, neue Stellen zu schaffen. Doch für immer mehr Menschen ist das geringfügige Beschäftigungsverhältnis eher ein Abstellgleis. Das zeigt eine bundesweite Studie. Die Müritzregion ist von der Entwicklung besonders stark betroffen.
Im Auftrag zweier Gewerkschaften hat das Pestel-Institut in Hannover die Daten der Jobcenter analysiert. Das Ergebnis: Die Zahl derer, die von geringfügiger Beschäftigung leben müssen, stieg in den letzten zehn Jahren deutlich an. An der Müritz um ein knappes Drittel. Das sei Teil einer insgesamt beunruhigenden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, so Studienleiter Matthias Günther. „Laut Statistik gibt es zwar immer mehr Beschäftigte, aber die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden fällt gleichzeitig“, erklärt der Ökonom. Ergo: Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeitjobs, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Bei der Gewerkschaft ver.di ist man zwar generell offen für geringere Arbeitszeiten. Aber nicht auf diese Weise. „Meist geht es dabei ja nicht um freiwillige Teilzeit, weil ein Mitarbeiter kürzer treten will“, so Bernd Gembus, Geschäftsführer der Gewerkschaft ver.di im Bezirk Neubrandenburg. Vielmehr würden die Arbeitgeber verstärkt auf Minijobs setzen.
Entsprechend seien in den vergangenen Jahren die Einkommen der Betroffenen gesunken. Auch das lässt die Studie erkennen. Denn die Zahl derer, die in der Region einen Minjob annehmen, um sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit etwas dazu zu verdienen, explodierte in der Vergangenheit. Und das, obwohl die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum deutlich gefallen ist. Mehr als 1000 Menschen aus der Müritzregion geben einen Minijob als Nebenerwerb an. Die Gewerkschaften sprechen von „Multijobbern“. Vor 20 Jahren waren es nicht einmal halb so viele. Besonders stark sind die Städte betroffen. In Waren und Röbel stiegen die Zahlen um rund 150 Prozent, in Malchow um 165 Prozent. Noch krasser hat es Penzlin erwischt. Dort leben heute dreimal mehr Multijobber als 2003. „Die Leute müssen diese Jobs annehmen um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Es geht nicht darum, sich einen besonderen Wunsch zu erfüllen“, sagt Bernd Gembus. Nicht selten summierten sich die einzelnen Jobs auf 60 Wochenstunden oder mehr.
Der Zuwachs an Multijobbern ist im Altkreis Müritz deutlich stärker als im Großkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Tourismuswirtschaft sei besonders anfällig für Niedriglöhne, so ein Erklärungsversuch der Gewerkschaften. Aber auch in den Pflegeberufen und bei Reinigungskräften seien Minijobs und schlechte Bezahlung immer mehr die Regel.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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