Januar 10, 2012
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Wirtschaft + Soziales von Th. Beigang

ADAC: Öl-Multis schröpfen die Autofahrer der Region

Die Gesichter der Kraftfahrer in der Müritzregion werden immer länger: Fast täglich steigen die Preise für Benzin und Diesel. Besonders Pendler müssen ganz tief in die Taschen greifen.

Foto: Th. Beigang
Waren (Th. Beigang)  

Christoph Sten ist nicht zu beneiden. Der Pächter der Team-Tankstellen in der Müritz-Metropole bekommt angesichts der hohen Spritpreise den geballten Unwillen der Autofahrer dieser Tage besonders zu spüren. „Aber“, so Sten gestern auf Nordkurier-Nachfrage, „anders als im vergangenen Jahr sitzt der Frust jetzt ganz tief drinnen“. Die Leute, so hat der Tankstellen-Pächter beobachtet, würden resignieren. „Viele sagen uns, man kann doch sowieso nichts machen.“ Bei Preisen von jenseits 1,50 Euro für Diesel und mehr als 1,60 Euro für Super höre jedes Verständnis auf, bekommt der Tankstellen-Betreiber fast täglich zu hören.
„Doch nicht wir Pächter machen die Preise“, wirbt Sten um Einsicht, „und verdienen auch nicht zusätzlich an den gestiegenen Kosten.“ der Warener macht eine einfache Rechnung auf. „Ich verdiene an einer verkauften Bockwurst mehr als an 100 Litern Benzin, die bei mir gezapft werden.“ Nur bei rund einem Cent würde sein Verdienst pro einem Liter Sprit liegen. Den „Rest“ teilen die Mineralölwirtschaft und der Staat unter sich auf.
Auch beim ADAC, dem Interessenvertreter der Kraftfahrer, stößt die Preiserhöhung auf großen Unwillen. Carsten Wilms, Sprecher beim ADAC Hansa in Hamburg, rechnet vor. „Trotz des schwächer werdenden Euros gegenüber dem Dollar, gegenwärtig erhält man für einen Euro 1,27 Dollar, sind die Preise an den Tankstellen angesichts des Weltmarktpreises von 113 Dollar pro Barrel Rohöl deutlich zu hoch. Gerade was den Unterschied von Diesel und Benzin betrifft. Normal wären 20 Cent Unterschied, der ist aber auf zehn Cent geschrumpft.“ Dabei seien die Müritzregion, wie das ganze „flache Land“ in Mecklenburg-Vorpommern, doppelt bestraft, macht der ADAC-Experte deutlich. „Das relativ dünne Tankstellen-Netz bringt zu wenig Wettbewerb hervor.“ So seien die Preise an den Tankstellen in der Mecklenburgischen Seenplatte dieser Tage im Durchschnitt acht Cent höher als in Hamburg, vergleicht Wilms. „Die Autofahrer in Ihrer Region sind also doppelt bestraft: Einmal durch die allgemeinen gegenwärtigen Preiserhöhungen und zum anderen wegen der permanent höheren Kosten an den Tankstellen in dünn besiedelten Gegenden.“
Zur Erklärung des Preisanstieges bemühen die Vertreter der Mineralölbranche die Weltpolitik. „Momentan wird der Ölpreis auch an der Straße von Hormus gemacht“, erklärt Katrin Wetzlaff. Sie ist Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands, dem viele große Tankstellenbetreiber angehören. Die angedrohte Sperrung des Lieferweges durch den Iran verunsichere die Ölmärkte, heißt es bei der Industrie.

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