Alte Besatzung macht eigenes Schnellboot flott

VonStephan Radtke

Die Jahre, in denen das kleine Torpedo-Schnellboot KTS 970 innerhalb der DDR-Grenzen mit bis zu
95 km/h auf der Ostsee patrouilliert, sind schon lange vorbei. Doch das 1976 in Dienst gestellte Schiff ist nicht in Vergessenheit geraten – vor allem nicht von der alten Besatzung.
Rechlin.Als eine langjährige Leihgabe von Peter Tamm, einem 84 Jahre alten Ex-Springer-Manager aus Hamburg, ist das Torpedo-Schnellboot im Rechliner Marine- und Luftfahrttechnischen Museums zu sehen. „Hier haben wir es im vergangenen Herbst entdeckt“, so der letzte Kommandant des Schiffes, Mario Ginn. „Es war ein trauriger Anblick, in welchem Zustand das Schnellboot war“, so der 50-Jährige. Gemeinsam mit seinem ehemalige Bordelektriker Klaus Lutz und weiteren Aktivisten, die auf seriengleichen Typen im Einsatz waren, versprach er dem Museum zu helfen. Dieses Versprechen wurde jetzt eingelöst. „Die 40 Liter Farbe organisierte das Museum“, so Klaus Lutz. „Die Arbeitskraft stellen wir“, ergänzte der 59-jährige Obersteuermann Harald Zechel. Schleifen, Putzen und Streichen und natürlich in alten Erinnerungen schwelgen – das war bei dem Einsatz der Ehemaligen an der Tagesordnung. „Das Boot war eines von 40, die hier in Rechlin gebaut wurden“, weiß der Kommandant. Sein Schiff war in Dranske auf Rügen in der 6. Flotte stationiert und mit zwei Torpedos und einer 53 Millimeter zweirohrigen Kanone bestückt. „Zudem konnten wir Kampfschwimmer aufnehmen und Aufklärungsmissionen absolvieren“, erinnerte sich Mario Ginn. Mit einer fünfköpfigen Besatzung ging es bei Wind und Wetter auf die See. „Das schweißt zusammen“, versicherte Klaus Lutz, als er sich ans Streichen der Bordkanone machte. Binnen zwei Tagen frischte das Dutzend Helfer nicht nur alte Erinnerungen auf, sondern auch das Aussehen des Torpedo-Schnellbootes KTS 970.

Kontakt zum Autor
red-waren@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen