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Anonyme Mails setzen Verein unter Druck

Klaus-Detlef Heimann bei den Miezen, die es sich auf der geschenkten Katzen-„Sonnenbank“ gemütlich machen.  FOTO: Elke Enders
Klaus-Detlef Heimann bei den Miezen, die es sich auf der geschenkten Katzen-„Sonnenbank“ gemütlich machen. FOTO: Elke Enders

VonElke Enders

Wiederholt landen negative Einträge auf der Homepage der Rechliner Tierfreunde. Sie fürchten einen weiteren Rückgang der Futterspenden.

Rechlin.Alle Viere von sich gestreckt, liegen sie auf der „Sonnenbank“ und tun das, was man tut, wenn man satt und sorglos ist: Sie schlummern. Doch das war nicht immer so. Noch ist sie nicht vergessen, die Zeit, da die Rechliner Straßenkatzen hungrig und struppig durch den Ort ströperten. Und wären da nicht die Rechliner Straßenkatzenfreunde, eine Initiative, die sich der herrenlosen Samtpfötler angenommen hat, so wären sie wohl noch immer verwahrlost und vernachlässigt – und es wären nicht nur ein Dutzend, sondern möglicherweise schon etliche mehr.
So allerdings geht es ihnen gut, wie Klaus-Detlef Heimann von der Initiative, die inzwischen als gemeinnütziger Verein agiert und Spendenquittungen ausstellen kann, bestätigt. Dennoch, der Verein bleibe auf Spenden angewiesen, sowohl in Form von Futter als auch finanzieller Art. Letzteres, um Medikamente zu kaufen und auch, um das Geld für die Kastrationen vorzuschießen, das die Gemeinde dann erstattet. Gerade erst hätten alle Katzen wieder Entwurmungstabletten bekommen. Und derzeit laufen mehrere Arbeitseinsätze auf dem inzwischen ansprechend gestalteten Gelände. Das Katzenhaus wird von Winterbetrieb auf Sommerbetrieb umgestellt und Unkraut beseitigt. Neun Vereinsmitglieder kümmern sich um das Wohl der Tiere. Hinzu kommt eine derzeit noch kleine Schülergruppe der Regionalschule Rechlin. Hier gibt es aber schon Signale fürs neue Schuljahr, dass die Gruppe wachsen könnte. Einmal pro Woche sehen die Schüler nach dem Rechten.
Was fehlt, sei noch immer eine Art Hauptsponsor, der längerfristig einen kleinen Beitrag spendet. Bislang waren alle Versuche, ein einheimisches Unternehmen dafür zu gewinnen, erfolglos geblieben, wie Heimann erklärt. Er sieht eine der Hauptaufgaben darin, auch andere Katzenhalter von der Wichtigkeit der Kastration ihrer Vierbeiner zu überzeugen. Hier verweist Heimann auf eine in der Fachliteratur veröffentlichte Nachwuchs-Pyramide. Denn aus nur einem Katzenpaar können im Jahr 12 Jungtiere hervorgehen, nach zwei Jahren 66, nach drei Jahren 350, nach vier Jahren 2200, nach fünf Jahren 13000 und – setzt man die Rechnung fort: nach nur zehn Jahren sage und schreibe über 80 Millionen Katzen – etwas, was kein Scherz ist, sondern durchaus realistisch, wenn sich jede herangewachsene Katze naturgemäß vermehrt. „Kastration ist aktiver Tierschutz“, so Heimann.
Indes ist den Rechlinern nicht entgangen, dass es auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Katzenfreunden gab, die im vergangenen Jahr dazu führten, dass einstige Mitglieder der Gruppe den Rücken kehrten (der Nordkurier berichtete). Niemand vermochte bislang in diesem Konflikt zu vermitteln, geschweige denn Partei zu beziehen. Eines allerdings wird klar: Die Zwistigkeiten bringen jene in Bedrängnis, die am wenigsten dafür können: die Katzen. Gehen doch die Futterspenden zurück.
Zudem würden anonyme Negativ-Wortmeldungen im Gästebuch der Vereinshomepage nicht abreißen. „Ich fröne einem neuen Hobby, täglich mehrmals Einträge sichten und löschen“, sagt Heimann. Mehr als 300 teils mysteriöser Gästebuch-Nachrichten, manche sogar in Fremdsprachen abgefasst, hat er bereits gelöscht. So heißt es aktuell: „Ich finde es gar nicht richtig, was Sie machen. Für Sie sind ja nur die Katzen wichtig, die auf dem Gelände leben. Es gibt auch noch jede Menge andere Katzen in Rechlin, die auf Hilfe angewiesen sind. Es müsste für Ihr Projekt deshalb keiner mehr spenden.“ Heimann verweist darauf, dass vordergründig die Katzen auf dem Gelände versorgt werden, aber, wenn es möglich ist, auch Tierfreunden mit Futterspenden geholfen wird, die ein oder mehrere Tiere vom Rechliner Straßenkatzen-Gelände bei sich aufgenommen haben. Auch der Gnadenhof in Sadelkow (bei Neubrandenburg), zu dem Verbindungen bestehen, konnte schon mit Trockenfutter bedacht werden, als es einen Überbestand gab.
Wegen wiederholter Anfragen wies der Rechliner jedoch darauf hin, dass das Straßenkatzen-Gelände kein Tierheim ist und nur vom ehrenamtlichen Engagement lebt. Katzen mit Jungen etwa, wie eine Anfrage jetzt aus Mirow kam, könnten nicht aufgenommen werden. „Dafür ist unser Katzenhaus nicht ausgelegt“, erklärte er.

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e.enders@nordkurier.de

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