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Auf ihn wartet die große Karriere

Nachdem das Müritzeum in Waren fast vier Wochen lang ohne einen kapitalen Hecht im Schaubereich auskommen musste, hat jetzt ein „Neuer“ diesen leeren Platz besetzt.  FOTO: Petra Konermann
Nachdem das Müritzeum in Waren fast vier Wochen lang ohne einen kapitalen Hecht im Schaubereich auskommen musste, hat jetzt ein „Neuer“ diesen leeren Platz besetzt. FOTO: Petra Konermann

VonPetra Konermann

Nur ein toller Hecht kommt für diese Aufgabe in Frage: Im Müritzeum wurde lange nach einem Raubfisch aus freier Natur gesucht, der die Nachfolge eines verstorbenen „Stars“ antreten konnte.

Waren.Marco Kastner, Bereichsleiter für die Aquarien des Müritzeums, hat vorsorglich das 7000-Liter-Aquarium abgesperrt. Besucher sollen noch nicht zu nahe an die Glasscheibe heran kommen. Kastner möchte vermeiden, dass „Hecht-Fans“ womöglich an die Scheibe klopfen oder den kapitalen Fisch mit dem Blitzlicht des Fotoapparats erschrecken. Denn der große Bursche ist gerade erst gerade eingezogen und entsprechend scheu. Dass der Hecht mit seinen 92 Zentimetern Länge aufmerksam alle Bewegungen hinter der Scheibe beobachtet und gleichzeitig darauf reagiert, wertet Kastner als gutes Zeichen. „Daran ist zu erkennen, dass der Fisch fit ist.“
Fit war sein Vorgänger nicht mehr, der seit Eröffnung des Müritzeums fast fünf Jahre das große Hecht-Becken als sein Revier in Beschlag nehmen konnte. Über eine Million Besucher haben ihn bewundert. "Vor wenigen Wochen verließen den betagten Hecht die Kräfte. Durch sein Alter, das wahrscheinlich über 20 Jahre betrug, magerte er ab. Schließlich musste der Hecht getötet werden", berichtet Kastner. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie hoch der Aufwand war, ihn zu fangen und den über einen Meter langen Raubfisch ins Aquarium zu bringen.
Auf der Müritz gefischt, wurde der Hecht in Eldenburg von den Aquarianern nur in feuchte Tücher eingehüllt und in einem Plastikrohr verwahrt ins Müritzeums transportiert. „Das ist die beste Art, besonders große Fische zu bewegen. So sind sie ruhig gestellt und können sich nicht verletzten“, erklärt Fachmann Kastner, der Wert darauf legt, dass in den Schauaquarien des Müritzeums unversehrte Tiere gezeigt werden.
Ganz unversehrt ist der „neue“ Hecht des Müritzeums nicht: Eine kleine Wunde hat der Fisch sich am Rücken zugezogen, als er sich während der Eingewöhnungsphase durch Springen an der Abdeckung verletzte. „Das ist jetzt zum Glück vorbei. Der Hecht hat sich mit seinem neuen Revier angefreundet.“ Um dieses neue Prachtexemplar für das Müritzeum zu gewinnen, war jede Menge Fingerspitzen-Gefühl und schnelles Handeln nötig. Das Tier, so Marco Kastner, musste nämlich von einem erfahrenen Fischer geangelt und nicht per Netz an Land gebracht werden.
„Im Netz ist die Verletzungsgefahr zu groß“, weiß Kastner. Die Lösung waren Angler, die von Berufswegen vom Fach sind. Jörg Jaenisch, der als Müritzfischer für den Fischereihof Waren zuständig ist, gelang mit seinem Kollegen Frank Weichler auf dem Kölpinsee der Hecht-Fang. In einem Fischkasten, der in dem Boot integriert ist, wurde der Hecht in den Fischereihof gebracht. Dort stellte Jörg Jaenisch, der von der Suche des Müritzeums wusste, ein großes Hälternetz eigens für den großen Raubfisch auf.
Fast vier Wochen schwamm das Tier nun dort. Es blieb genauso lange dort, bis sich die Wassertemperatur im Hälternetz von 8 auf 18 Grad erhöht hatte – genau der Wert, den auch die Aquarien im Müritzeum aufweisen. Vor wenigen Tagen hat der Hecht das Müritzwasser mit dem des Müritzeums getauscht. „Wir hoffen, dass er uns und den Besuchern lange Freude bereitet“, sagt Marco Kastner.

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p.konermann@nordkurier.de

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