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Bewährungsstrafe für „blöde Aktion“

Von unserem Redaktionsmitglied
Thomas Beigang

Löcher in den Wänden und besprühte Türen: Ein Hausbesitzer in Penzlin hat nach dem unfreiwilligen Auszug eines Mieters seine einst aufgeräumte und heile Wohnung nicht mehr wiedererkannt.

Penzlin/waren.Das hat richtig Arbeit gemacht. Die Einbauküche abmontiert und in alle Einzelteile zerlegt, den Warmwasserboiler abgeschraubt, danach den Kühlschrank von oben nach unten transportiert. Und wer schon einmal einen Elektroherd über enge Treppenaufgänge geschleppt hat, weiß, was das bedeutet. Diese Arbeit, die ein 31-Jähriger in Penzlin auf sich nahm, war aber nicht aller Ehren wert. Denn jene Einbauküche samt aller Geräte gehörte ihm gar nicht, sondern war Eigentum des Vermieters.
Unterschlagung nennt das die Staatsanwältin am Amtsgericht Waren. Damit nicht genug: Die Anklage wirft dem Mann auch Sachbeschädigung vor. Der Vermieter, als Zeuge gehört, weiß Erschreckendes zu berichten. Die Türen seien mit schwarzer Farbe besprüht worden, eine der Wände ziert ein Loch, etwa einen Meter hoch und 20 Zentimeter breit. Jene leere und beschädigte Unterkunft bekam der Vermieter zu Gesicht, als ihm die Gerichtsvollzieherin das Quartier nach erfolgter Zwangsräumung übergab. Diese hatte das Amtsgericht angeordnet, da der Mieter von Januar bis August 2012 die Miete schuldig blieb und nicht auf Mahnungen reagierte.
Verwüstet haben will er nichts, so der Delinquent, erklären könne er die Schäden nicht. Die Sache mit der Küche gesteht er, gedacht sei dies aus Rache am Vermieter, der zu oft Einlass begehrte auf der Suche nach den Ursachen für einen Wasserschaden. Eine „blöde Aktion“ war das, gibt der vielfach wegen Betrugs Vorbestrafte zu.
Die Staatsanwaltschaft verlangt als Sühne für die Unterschlagung und die Sachbeschädigung 1800 Euro Geldstrafe. Richter Michael Kasberg geht noch darüber hinaus und verurteilt den Penzliner zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Angesichts der Vorstrafen bleibe ihm nichts anderes übrig, so der Richter, der klagt, dass immer mehr Vermieter „Riesenstress“ mit Mietern hätten, die allzu oft beim Auszug einen „Schweinestall“ hinterlassen würden.

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