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Blasen und Krämpfe gehen mit auf die Reise[/EMPTYTAG]

VonThomas Beigangunddpa

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Einer aus Marlow hat sich vorgenommen, bis nach München zu reisen – aber per pedes. Jetzt ging es von Waren weiter Richtung Süden.

Waren.Frisch sieht Kay-Michael Kämnitz nach rund neun Stunden Schlaf und einer warmen Dusche aus. Gar nicht wie jemand, der an drei Tagen schon mehr als 100 Kilometer hinter sich gebracht hat. Nur – der 42-Jährige geht schon zu Beginn der vierten Etappe, die ihn von Waren quer durch den Nationalpark bis nach Neustrelitz führen soll, „über den Onkel“. Er gesteht: „Ich bin schon luftbereift“. Blasen an den Füßen –der Schrecken aller Wanderer.
Kämnitz ist unterwegs aus dem vorpommerschen Marlow und will in insgesamt 27 Etappen bis nach München marschieren. Aber nicht aus Jux und Dallerei.
Der Unternehmensberater, der in Marlow ein eineinhalb Hektar großes Areal übernommen hat und dort Angebote für Jugendliche unterbreiten mag, will auf seiner „Tour der Leiden“ Geld dafür einsammeln. Kämnitz nennt seinen Marsch den „längsten Sponsorenlauf Deutschlands“. Rund 20 000 Euro sollen zusammenkommen. Noch befände sich das Gelände in einem „suboptimalen“ Zustand, umschreibt er das taktvoll. Eine Zeit lang sei dort sogar Cannabis angebaut worden, bis die Polizei dem Treiben ein Ende setzte. Das soll künftig alles besser werden auf dem „Areal für die Jugend“.
Dafür quält sich der Mann. Am Montag, als er gegen Abend in Waren einlief, wusste er nicht mehr ganz genau, was ihm mehr zu schaffen machte: Die Blasen an den Füßen oder die Wadenkrämpfe, die ihn heimsuchten. Aber die Latte der Hilfsbereitschaften ist lang: Ein Apotheker unterwegs hat ihm ein ganz spezielles Blasenpflaster geschenkt, und auch Warener haben sich nicht lumpen lassen.
Als der „Herbergsvater“ der Pension „Zur Fledermaus“ im Radio von der Unternehmung hörte, rief er den Wanderer an und machte dem ein Angebot, das der nicht ausschlagen konnte: Eine kostenlose Übernachtung in seiner Pension mit Frühstück. Werner Oldenburg, der großzügige Bett-Spender, findet die Idee über der Wanderung nur toll. „Gut, wenn sich Leute heute noch so für die Jugend engagieren“.
Bevor Kämnitz am Dienstagmorgen nach Neustrelitz startet, wandert der Mann erst noch in die entgegengesetzte Richtung, in Richtung Warens Innenstadt. Hier will der Wanderer der Stadt-Obrigkeit seine Aufwartung machen, Grüße und ein Schreiben vom Marlower Bürgermeister übergeben sowie Freikarten für den Vogelpark in Marlow verteilen. Aber Kämnitz hat Pech, der Bürgermeister ist nicht im Haus und seine Vertreter nehmen gerade Termine wahr. „Schade“, sagt Kämnitz und dreht wieder um, die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.
Stunden später, am mittleren Nachmittag, hat Kay-Michael Kämnitz gerade Speck passiert und rund die Hälfte der Strecke noch vor sich. Ein festes Quartier sei auch noch nicht gebucht, sagt er am Telefon, aber da bleibe er optimistisch. Seine Frau würde aus der Ferne die ganze Sache schon organisieren und vielleicht finde sich ja auch wieder ganz spontan ein „Herbergsvater“ wie in Waren.
Am 16. Juni feiert „Marathon-Mann“ Kämnitz – wohl irgendwo zwischen Zwickau und Chemnitz – seinen
43. Geburtstag. Er hofft, dass sich das Sponsoren-Konto dann schon gefüllt hat; die ersten 15 Euro für das Projekt wurden schon vor dem Start in Marlow gespendet. Wer etwas für Marlow beisteuern will, kann dies über die Internetseite tun.
www.kaemnitz-consulting.de
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beigang@nordkurier.de

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