Borusse aus Röbel kann wieder lachen

VonThomas Beigang

Noch müde, aber schwer beeindruckt. Nicht nur vom Endspiel um die ChampionsLeague, das ein 32-Jähriger live miterlebt hat. In London hat er noch mehr Landsleute getroffen.

Vipperow.Reno Franke ist ein großer Glückspilz. Denn wie groß ist eigentlich die Chance, eine von 24 000 Karten zu ergattern, auf die mehr als
500 000 Fans scharf sind? Darüber hat Reno Franke nicht nachgedacht. „Als ich die Nachricht erhielt, zwei Tickets für das Endspiel um die ChampionsLeague zu erhalten, war ich einfach nur glücklich.“
Nix mit Beziehungen. Franke hat sich ganz normal im Internet beworben und wurde ausgelost. Dass es in diesem Fall den Richtigen getroffen hat, war der blanke Zufall. Denn Franke, Fußballer in der Zweiten vom PSV Röbel, ist seit vielen Jahren eingefleischter Fan der Borussia aus Dortmund und Mitglied des Vereins. „Ich bin schon bei vielen Spielen dabei gewesen. Aber so ein Endspiel und noch dazu im Wembley-Stadion, das ist schon etwas ganz besonderes.“ Dabei kennt Franke das neue Londoner Stadion schon, bei einer Partie England-Deutschland saß er vor einigen Jahren ebenfalls auf der Tribüne.
Gemeinsam mit seinem Kumpel Mike Duggert ist Franke Freitagabend nach Hamburg aufgebrochen und dort Sonnabend früh halb sieben über Brüssel nach London geflogen. „Ab zehn Uhr waren wir in London, haben dort noch ein schnelles Tourismusprogramm absolviert und sind dann bald Richtung Stadion gepilgert.“ Natürlich, ganz klar, auch in den einen oder anderen Pub eingekehrt. „Wir lernten Kneipen rings um Wembley kennen, die haben keine Bayern-Fans reingelassen“, freut sich der Röbeler, der in Vipperow bei der Kanu-Basis Ausflüge in die Umgebung organisiert. „In den Pubs wurden Borussia-Lieder abgespielt, eine Superstimmung überall und, ganz wichtig, alles friedlich.“ Mächtig staunen musste Franke aber, als er mitten in London einen Röbeler traf, den Chef der Müritz-Therme, Marco Lüders. Der allerdings soll Bayern-Anhänger sein, aber egal, Röbeler in London vertragen sich immer.
Eine Stunde vor Anpfiff haben Franke und Duggert das Stadion mit großer Euphorie betreten, nach dem Abpfiff hingegen etwas deprimiert wieder verlassen. „Aber“, will der Borussia-Fan aus dem Norden betonen, „wir sind der Meister der Herzen geworden“. Beinahe hätten die beiden Röbeler den Abflug am frühen Sonntagmorgen noch verpasst, weil sie zuerst auf dem falschen Flughafen waren. Sonntagabend in Röbel allerdings war Schluss mit Fußball. Dann hieß es nur noch schlafen.

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