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Böses Hunde-Ende entzweit zwei Damen

VonThomas Beigang

Wem gehörte der Vierbeiner, der auf einer Dorfstraße ein schnödes Ende fand? Der Streit darum und um ein kaputtes Auto führt zwei Damen vor den Richter. Was zumindest eine der beiden sehr erstaunt.

Waren.Die Angeklagte ziert sich noch. Schüttelt die halblangen Haare zurück und blinkert den Richter an. Eigentlich, wendet sie sich von der ihr zu harten Anklagebank zum Richtertisch, hätte sie nie und nimmer geglaubt, dass ihr hier und heute gleich der Prozess gemacht werden soll. Zu einer Anhörung sei sie geladen – dachte sie.
Soviel Naivität zieht nicht. Richter Michael Kasberg zeigt sich unwirsch. Erst habe sie das Gericht 20 Minuten warten lassen und dann noch so etwas. Gegen den von der Staatsanwaltschaft erlassenen Strafbefehl habe sie Einspruch erhoben, also folge die Hauptverhandlung. Das übrigens, beendet Kasberg die überflüssige Debatte, sei der Angeklagten auch schriftlich mitgeteilt worden.
Zum Wesentlichen: Die naive Dame aus dem Jahrgang 1965 und Neu-Bürgerin eines klitzekleinen Dörfchens im Südosten der Müritzregion wird des unerlaubten Entfernens vom Unfallort beschuldigt. Unfallflucht also, beileibe kein Kavaliersdelikt. Dabei hat die Dame weder in einem Auto gesessen noch war sie direkt an einem Unfall beteiligt. Was ist geschehen?
Staatsanwältin Sylvia Dinse fasst zusammen: Am
17. August sei eine 48-jährige Autofahrerin auf dem Weg zur Arbeit über die Kreisstraße 24 gezuckelt, die mitten durch das Dörfchen der Angeklagten führt. Urplötzlich lief der Fahrerin ein Hund vor das Auto, trotz Vollbremsung hauchte der Vierbeiner auf der Stelle sein Leben aus. Die Angeklagte, so die Staatsanwältin, wäre von ihrem Grundstück auf die Straße gelaufen, hätte der bestürzten Autofahrerin erklärt, der Hund wäre ihr zur Betreuung übergeben worden. Allerdings – ihren Namen wollte die Hundebesitzerin auf Zeit nicht verraten, obwohl der Schaden am Auto beträchtlich war. Immerhin rund 1900 Euro kosteten die Reparaturen. Vielmehr soll die Dame aus dem Dorf erklärt haben, der Hund stünde eigentlich zum Verkauf, von den erwarteten 300 Euro verlange sie jetzt die Hälfte und außerdem fallen ja auch noch die Abdecker-Kosten an.
Von so viel Dreistigkeit erschüttert, fuhr die Tot-Fahrerin schnurstracks zur Polizei in Röbel und meldete den Unfall. Die Polizeibeamten machten sich in jenes Dörfchen auf und erfuhren nach längerer Diskussion wenigstens den Namen der Dame mit Hund. Aber von wegen mit Hund. Einen solchen Vierbeiner habe sie nie betreut, erklärte die Angeklagte auch noch vor Gericht, noch nie gehört hätte sie von dem, alles habe sich die Autofahrerin ausgedacht. Überhaupt wäre nur ihre Gutmütigkeit schuld an allem, wäre sie bloß nach dem Unfall nicht auf die Straße gelaufen. Allerdings – eine Nachbarin sagt aus, die Dame öfter mit den Hund spazieren gesehen zu haben.
Dem Gericht reicht es. Weil sie ihre Pflichten als Unfallbeteiligte nicht ordnungsgemäß wahrgenommen hat, muss sie 250 Euro Geldstrafe zahlen. Punkt und Schluss.

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