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Das Museum sucht nach einem neuen Schatz

Leider nicht echt: Der Schatz des Priamos in Ankershagen ist nur eine Nachbildung. Bei der Finanzierung des Bauvorhabens wird der also nicht helfen.  FOTO: Archiv / dpa
Leider nicht echt: Der Schatz des Priamos in Ankershagen ist nur eine Nachbildung. Bei der Finanzierung des Bauvorhabens wird der also nicht helfen. FOTO: Archiv / dpa

VonCarsten Schönebeck

Die Besucherzahlen sinken, der Träger ist knapp bei Kasse. Im Ankershagener Schliemann-Museum will man sich damit nicht abfinden. Und plant eifrig an großzügigen Neuerungen.

Ankershagen.Auf der Suche nach Troja spielte Geld kaum eine Rolle. Heinrich Schliemann besaß ein geschätztes Vermögen von 15 Millionen Goldmark. Nach reinem Wechselkurs entspricht das mehr als 50 Millionen Euro. Und die Preise für Waren und Dienstleistungen waren im 19. Jahrhundert noch deutlich niedriger.
Geht es heute darum, das Andenken des Archäologen zu bewahren, sieht es mit dem Geld ganz anders aus. Gut 250000 Euro flossen 2012 vom Träger an das Schliemann-Museum in Ankershagen. Doch der Landkreis kämpft mit einem riesigen Defizit. 27,5 Millionen Euro Miese sind der Stand im aktuellen Haushaltsentwurf. Auf eine Debatte um Kürzungen will sich Museumsleiter Reinhard Witte nicht einlassen. Im Gegenteil. Er plant bereits neue Investitionen.
Sinkende Besucherzahlen sind dabei nicht gerade ein Rückenwind. 15000 Besucher und mehr im Jahr, dass war einst die Regel. Im vergangenen Jahr waren es nicht mal mehr 13 000.
Der Museums-Chef hofft auf neue Impulse. Ein zusätzliches Gebäude, gegenüber dem Museum, das sei ein Traum, so der Altertumswissenschaftler. Allerdings einer, der bereits konkrete Formen angenommen hat. Denn ein Architekt hat Entwürfe für den Neubau gefertigt. Mit Ausstellungsräumen, einer Bibliothek und neuen Büros. Drei Millionen Euro soll der Bau kosten, so die ersten Schätzungen.
Viel wichtiger aber sei eine Neukonzeption der Ausstellung, so Witte. „Die jetzige ist zwar gut, aber nicht mehr unbedingt zeitgemäß“, sagt er. Ein Multivisionsraum soll her, ein Film, der über Schliemann aufklärt und eine neue Struktur für die Aufarbeitung seines Werkes. Gleichzeitig soll die Ausstellung stärker auf Familien und ausländische Besucher ausgerichtet werden. „Übersetzungen ins Englische und Polnische, das wäre schon eine Hilfe“, sagt der Museumsleiter.
Dass all diese Dinge in naher Zukunft umgesetzt werden, da hat Witte wenig Hoffnung. Dem Kreis fehlt das Geld und die Modernisierung von Müritzeum und Agroneum haben erst große Summen verschlungen. „Aber aufgeben wollen wir nicht“, sagt er. Das Konzept liegt griffbereit in seiner Schublade.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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