„Das war wirklich ein Haus, das mitgelebt hat“

Anfang 2003 begann der Abriss des Jola-Kaufhauses.  FOTOs: thomas türülümow
Anfang 2003 begann der Abriss des Jola-Kaufhauses. FOTOs: thomas türülümow

VonElke Enders

Einkaufen im Röbeler „Glaskasten“ - viele denken mit Wehmut zurück. Auch wenn der Marktplatz heute wieder vollständig ist und dem historischen Vorbild ähnelt: Das Kaufhaus mit Gaststätte darauf wird mitunter schmerzlich vermisst – bis heute.

Röbel.Es ist ruhiger geworden auf dem Röbeler Markt. Ein Restaurant, ein Café, das Rathaus, dann und wann mal Markttag – Menschen schlendern auch heute noch gern hier entlang. Aber der Publikumsverkehr hält sich in Grenzen, abgesehen von jenen, die hier einen Parkplatz für ihr Auto suchen.
Früher sah das anders aus. Im Zentrum der Stadt herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. „Schuld“ daran war das damalige Konsum-Kaufhaus, das majestätisch am Kopfe des Marktplatzes thronte und dabei auch das Rathaus im doppelten Sinne links liegen ließ. Dennoch, der „Glaskasten“, wie das Gebäude landläufig genannt wurde, war beliebt – und dass er rückblickend oft als „städtischer Missstand“ in Fachkreisen dargestellt wird, können manche Röbeler nur schwer verwinden. Knüpfen sich nicht nur viele Erinnerungen an den markanten Bau. Auch Wehmut bleibt zurück, hatte das Gebäude bis zur Wende doch die Funktion eines „Zugpferdes“ inne. Röbeler und Nicht-Röbeler kauften hier ein.Auswärtige wurden quasi in die Stadt gesogen, die ihr Geld dann nicht nur am Markt, sondern auch in kleinen Läden ließen.
So fand auch die Berichterstattung im „Stadtmagazin“ des Nordkurier jüngst Resonanz. Zu Wort meldete sich eine betagte Röbelerin, die baulich bewandert ist, ja sogar an der Projektierung des Gebäudes mitwirkte – neben anderen Fachleuten. Und sie zeigte sich sehr enttäuscht, dass heutzutage oft abmindernd über das Objekt gesprochen wird. „Wir waren damals stolz wie die Ritter, diese aufgelockerte Glasfassade bekommen zu haben“, erläuterte sie. Um zweifarbiges Glas habe es sich gehandelt. „Klar waren die Betonteile Fertigelemente, wie es damals üblich war“, räumt sie ein. Trotzdem war das Gebäude etwas Besonderes. „Und wenn heute Leute sagen: Das hat damals schon nicht hingepasst, dann sind es Leute, die die Umstände nicht kennen.“
Und sie spricht dabei nicht nur von sich allein. All jene, die seinerzeit an den Entwürfen und der Umsetzung mitgewirkt haben, würde es „weh tun“, abwertende Bemerkungen zu lesen. Gern erinnert die Röbelerin noch daran, dass das gläserne Gebäude auch in einer westlichen Zeitung im positiven Sinne Erwähnung fand – damals in den 80er-Jahren. Und sie berichtet davon, wie ein Teil der Gaststätte im Obergeschoss abgetrennt wurde. Das Restaurant „Mecklenburg“ mit gehobener Gastronomie und Holzvertäfelung entstand. Aber auch dort konnte jedermann speisen: „Das Haus war offen für alle.“ Etwas, was damals nicht unbedingt selbstverständlich war, wie die Röbelerin meint, die ihren Namen in der Öffentlichkeit nicht preisgeben will, „weil eben so viele damals Anteil am Bau des Hauses hatten“ und sie sich nicht hervortun wolle.
Gekocht wurden die Speisen für das gehobene Restaurant in separater Küche. „Das war eine Weisung von oben, was dort angeboten wurde, durfte nicht in der allgemeinen Küche zubereitet werden“, erinnert sich die Röbelerin. Die Wände waren nicht voll getäfelt, sondern teilweise mit Samteinlagen versehen. Kurzum, für die damalige Zeit war es schon etwas Besonderes. Und noch eine kleine Episode steuert die Röbelerin bei: „Das Haus war schon im Abbruch. Da konnte ich mich nicht bremsen, wollte noch mal rein.“ Sie bat die Bauleute und durfte, mit der Maßgabe, acht zu geben. Bei dieser Gelegenheit habe man ihr gesagt, dass das Haus asbestbelastet wäre und auch deshalb weichen müsste. „Aber asbestbelastet war lediglich die Dämmung im Abluftkanal sowie die Trennwand im einstigen Schuhlager“, lässt die Röbelerin solche Begründungen auch mit dem Abstand der vielen Jahre nicht gelten.
Für sie bleiben Erinnerungen an ein Gebäude, in dem viele Feiern stattfanden, wie Frauentag, Betriebsfeste, etc.: „Das war wirklich ein Haus, das mitgelebt hat“, so die Röbelerin.

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