Nordkurier.de

Der alte Mann und der Tiefwarensee

Den Riesenwels fing Manfred Kühn auf diesem winzigen Haken. Den will er sich als Erinnerungs an den vergangenen Samstag aufheben.  FOTO: Carsten Schönebeck
Den Riesenwels fing Manfred Kühn auf diesem winzigen Haken. Den will er sich als Erinnerungs an den vergangenen Samstag aufheben. FOTO: Carsten Schönebeck

Von unserem Redaktionsmitglied
Carsten Schönebeck

So mancher Angler schwärmt vom Fang des Jahrhunderts. Bei dem, was Manfred Kühn am vergangenen Wochenende erlebt hat, kann man das beinahe wörtlich nehmen. Schließlich ist der Hobby-Fischer 85 Jahre alt.

Waren.Ein Geheimrezept habe er nicht, behauptet Manfred Kühn. Aber irgendwo muss in dieser Geschichte Kraftfutter im Spiel sein. Wenn nicht bei ihm selbst, dann zumindest bei dem riesigen Wels, den er am Samstagvormittag aus dem Tiefwarensee gezogen hat.
Seit er als kleiner Junge in seiner Heimat Schlesien die ersten Fische mit bloßen Händen fing, ist Manfred Kühn begeisterter Angler. Heute greift er allerdings lieber zu Angel und Kescher. Die kamen am Wochenende an ihre Grenzen. „Ich habe gleich gemerkt, dass ich da etwas Großes am Haken habe“, erzählt der Rentner. Er dachte allerdings erst an einen Hecht oder einen Karpfen. „Mir war klar, dass ich den nicht so einfach aus dem Wasser bekomme. Der musste erstmal müde werden.“
Bis Manfred Kühn seinen Fang zu sehen bekommt, dauert es geschlagene 45 Minuten. Dann schwimmt das Tier wenige Meter unter der klaren Wasseroberfläche und Kühn erkennt, dass er weder Karpfen noch Hecht geködert hat. Eine Viertelstunde später kann er den Wels aus dem Wasser holen und in sein Boot ziehen. „Ich habe ein Riesenglück gehabt. der Kescher war eigentlich viel zu klein“, so Kühn. Die Rolle der Angel hat der Kraft des Tieres nicht standgehalten. Mit einer Hand muss er die Kurbel halten, mit der anderen den Kescher. Am Ufer angekommen ruft er seine Frau zur Hilfe. „Ich dachte erst, der will mich veräppeln, als er sagte er könne den Fisch nicht allein tragen“, sagt Adelheid Kühn. Sie hatte eher damit gerechnet, dass ihr Mann mit leeren Händen und schlechter Laune zurückkehrt. Wie schon so oft in diesem Sommer.
Gemeinsam wuchten die beiden das 1,21 Meter lange und 12 Kilogramm schwere Tier zuerst an Land und dann in eine Schubkarre. Den seltenen Fang nahm am gleichen Tag noch Nachbar Wolfgang Stark in Augenschein. „Ich wollte es erst nicht glauben. Einen Wels im Tiefwarensee – davon habe ich vorher noch nie gehört“, sagt er. Stark kennt sich als Vorsitzender des Anglervereins aus, wenn es um die Fänge in seinem Revier geht.
Und was macht man mit so einer Beute? „Das können wir gar nicht alles alleine essen. Da bekommt jetzt jeder etwas ab: Kinder, Nachbarn, Freunde“, sagt Adelheid Kühn und lacht. Die ersten Stücken Wels gab es am Montag zum Mittagessen. „Ausgezeichnet“, berichten die Kühns wie aus einem Mund.

Kontakt zum Autor:
c.schoenebeck@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen