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Die Esel-Nothilfe bietet den Grauen ein neues Zuhause auf Zeit

Marcus Thober, hier mit Eselin Mathilda, ist Inhaber von „Michels Eselhof“ in Buchholz, der auch als Auffangstation für Esel aus schlechten Haltungsbedingungen fungiert.  FOTOs: Petra Konermann
Marcus Thober, hier mit Eselin Mathilda, ist Inhaber von „Michels Eselhof“ in Buchholz, der auch als Auffangstation für Esel aus schlechten Haltungsbedingungen fungiert. FOTOs: Petra Konermann

VonPetra Konermann

Diese Tiere liefern zwar kein Gold, ihren Besitzern aber jede Menge Freude und sogar eine Einnahmequelle. Gleichzeitig ist der Eselhof in Buchholz in der Nähe von Röbel auch ein Tierasyl.

Buchholz.Otto, dem grauen Eselhengst, ist anzusehen, dass ihm nicht viel Gutes widerfahren ist – zumindest bevor ihn sein Weg nach Buchholz führte. Bei Magdeburg ertrug Esel Otto 19 seiner 21 Lebensjahre schlechte Haltungsbedingungen. Er war alleine im Stall auf Kopfsteinpflaster untergebracht.
„Als er hier in Buchholz zum ersten Mal auf Artgenossinnen traf und auf eine Weide durfte, stand der Esel fast Kopf“, erinnert sich Marcus Thober, Inhaber von „Michels Eselhof“, der als zertifizierte Einrichtung auch als Esel-Nothilfe fungiert.
Als Thober den glücklichen Otto beobachtete, sind ihm zwei Dinge klar geworden. Erstens: Menschen können Tiere auch seelisch misshandeln. „Und zweitens: Otto bleibt bei uns. Ihn jetzt noch mal abzugeben, bringen wir nicht übers Herz“, sagt der Buchholzer.
Denn die meisten Tiere, die aus schlechten Haltungsbedingungen gerettet werden, bekommen in Buchholz nur ein Zuhause auf Zeit. „Die Esel werden an neue Besitzer weitervermittelt, die zuvor von der Eselnothilfe überprüft werden“, berichtet Marcus Thober. Ihm und seiner Frau Kathrin ist bewusst, dass gerade die Haltung von Eseln viel Verantwortung mit sich bringt. Schließlich können die Tiere bis zu 40 Jahre alt werden.
Und so überlegen beide schon jetzt genau, ob das nächste Eselfohlen, das in ein paar Tagen von Eselin Paula zur Welt gebracht wird, hier in Buchholz ein Zuhause findet oder weitervermittelt wird. Seit sechs Jahren bietet der Buchholzer Eselhof Pflegestellen für Esel, die aus nicht artgerechter Haltung herausgeholt werden. Neun Esel hat Marcus Thober so schon unter seiner Obhut.
Eselin Mathilda war das erste Tier, das aus Holland den Weg ins Mecklenburgische fand. Sie war auch der Anstoß für die Thobers, einen Eselhof zu gründen. Hier können Besucher die Esel nicht nur streicheln, sondern mit ihnen auch auf Wanderschaft gehen.
„Aber nur mit Anleitung von uns und unseren Mitarbeitern“, erklärt Marcus Thober, warum Voranmeldungen nötig sind. Davon, dass Esel stur sind, will der Buchholzer nichts wissen. „Sie sind keine Fluchttiere, sondern überlegen lieber drei Mal, bevor sie reagieren. Das könnte man als Sturheit auslegen, aber eigentlich ist es sehr schlau.“

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p.konermann@nordkurier.de

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