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Die Garten-Hauptstadt: Mehr Efeu als Einwohner

Dennis Conrad absolviert ein Ökologisches Jahr im Garten von Marihn. Dorit Fabian koordniert die Arbeit der Freiwilligen in der Müritz-Region. Am Samstag inspizieren beide die neue Feusammlung im Parkgelände.  FOTO: c. schönebeck
Dennis Conrad absolviert ein Ökologisches Jahr im Garten von Marihn. Dorit Fabian koordniert die Arbeit der Freiwilligen in der Müritz-Region. Am Samstag inspizieren beide die neue Feusammlung im Parkgelände. FOTO: c. schönebeck

VonCarsten Schönebeck

Jede anders, aber alle giftig. Im Eiltempo wurden am Wochenende hunderte Efeu-Pflanzen in Marihn gesetzt. Und eines ist sicher: Die Botaniker der Republik schauen auf diesen Ort.

Marihn.Gärtnerhose, grüne Jacke, dunkle Wollmütze. „Ein bisschen wie ein Tarnanzug“, sagt Dennis Conrad schmunzelnd. Selbst das Klemmbrett, dass der junge Mann keinen Moment aus der Hand legt, ist grün. Er braucht die Gedächtnisstütze. „Ein paar Sorten erkenne ich inzwischen, aber das ist wirklich nur einen Bruchteil“, sagt er. Dennis Conrad ist in diesen Tagen Herr über 540 Sorten Efeu. Vom zarten Stängel, bis zur mannshohen Ranke.
Was den Garten von Marihn da erreicht hat, ist nicht einfach ein Haufen Grünzeug. „Es ist in jedem Fall eine der größten Sammlung deutschlandweit“, sagt Parkbesitzer Horst Forytta und nestelt dabei an seinem Telefon. Er wartet auf den Anruf der Deutschen Efeu-Gesellschaft. Von dort soll die Kunde kommen, wie die Sammlung im europaweiten Vergleich abschneidet. Die Pflanzen sind am vergangenen Freitag im Garten von Marihn angekommen. Acht Mitarbeiter des Gartens waren zwei Tage lang mit dem Einladen beschäftigt. Etliche Gewächse mussten stark beschnitten werden, um sie sicher nach Marihn zu bringen. 24 Stunden später hat jede einzelne bereits ihren Platz am Wegesrand gefunden. Dennis Conrad hat den Transf1er der Sammlung aus Schleswig-Holstein koordiniert. In wochenlanger Arbeit hat er die Pflanzen katalogisiert und nach den geeigneten Plätzen auf dem Gelände gesucht. „Efeu ist im Allgemeinen ziemlich robust, aber wir haben auch empfindliche Züchtungen dabei. Die wachsen nicht an jeder Stelle“, erklärt er.
Seit dem letzten Herbst absolviert er ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Garten von Marihn. Sein Karriereziel: Landschaftsarchitekt. „Ich wollte einfach mal in dem Bereich mit anpacken, um zu sehen, ob das wirklich mein Traumberuf ist.“ Dass er mit einem Projekt von solchem Ausmaß betraut wird, hätte er sich nicht träumen lassen.
Mit dem Setzen der Ranken ist das Projekt längst nicht abgeschlossen. Holzpyramiden, an denen sich die Pflanzen hochranken können, müssen noch gebaut werden. Und dann ist da noch die riesige Datenbank, die jetzt in Marihn geführt wird. Mehr als 17 000 Informationen müssen dafür digitalisiert werden.
Horst Forytta rechnet auch mit der ein oder anderen Informations-Anfrage des Bundessortenamtes. So eine Schenkung sei natürlich auch Verpflichtung, ordentlich damit umzugehen, sagt er. Doch wer hat so viel Efeu zu vergeben? Die Sammlung stammt aus dem Privatbesitz von Robert Krebs. Der Gärtner aus dem Örtchen Stolck bei Schleswig hat sie in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen. Aus Altersgründen suchte er im vergangenen Jahr jemanden, der seinen grünen Schatz übernimmt. Der Garten von Marihn bekam den Zuschlag.
Um kurz vor halb eins klingelt Foryttas Mobiltelefon. Die Efeu-Gesellschaft. In Marihn, das ist jetzt sicher, wächst die größte Efeu-Sammlung Europas.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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