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„Die Hütter Familien hatten alle Spitznamen“

VonSilke Voß

Das Leben in „Hütte“ hat sich sehr gewandelt. Auf dem Landweg durchs Dorf trabten die Kühe, und in Beggerows „Lustgarten“ wurde feste gefeiert.

Nossentiner Hütte.Ursula Eckhardt erzählt: „Früher war das Leben in Hütte bedeutend anders. Im oberen Ende lebten die Handwerker, die Büdner im unteren. Immer Anfang Mai kamen die Kühe raus. 50 oder 60 Tiere waren das, sie wurden mitten durch das Dorf zur Kauhbrüch getrieben, in den Wald, zum See runter. Die Kühe wussten genau, welchen Weg sie lang zu gehen hatten. Zum ersten Mai wurden die Gartenbänke vor der Tür wunderschön mit Fliederbüschen geschmückt. Bis 1938 gab es noch keine feste Strasse, nur einen Landweg durchs Dorf. Dafür hatten wir neun Geschäfte, und den Heidekrug, Restaurant und Lustgarten von Franz Beggerow. Dort ging es sehr viel familiärer zu. Heute gibt es nur noch zwei Geschäfte, den Bäcker, den Getränke-Laden und die landwirtschaftlichen Produkte, die die Bürgermeisterin verkauft. Die Bürgermeisterin Frau Kurth setzt sich sehr ein, wir hatten nie eine bessere Bürgermeisterin. Mit dem Bus kommen wir nur einmal wöchentlich nach Malchow. Keine Zeit, zum Arzt zu gehen. Auch Hausbesuche macht niemand mehr. Früher kam der Arzt drei Mal die Woche ins Dorf. Auf dem Weg zur Schule kamen wir an der alten Schmiede vorbei, wo die Pferde beschlagen wurden. Wir haben auch gesehen, wie die Toten auf einem Wagen durch das Dorf gezogen wurden. Sie kamen nach Nossentin zum Friedhof. Nossentin war damals der Herrensitz.
Übrigens hatte jeder einen Öker-Namen, einen Spitznamen. Rosenbaum hieß Patscher, Beggerow Ascher, Kurth hieß Muggerund Priem hieß Scheißer!“

Kontakt zur Autorin
s.voss@nordkurier.de

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