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Die Jubilarin putzt sich heraus

Die schweißtreibende Arbeit konnte den „Rechern vom Stadtsee“ ihren Spaß nicht verderben. Monika Ebert wurde unter anderem von Hannelore Brandt, Ramona Ebert, Ingrid Wessling, Margit Bergmann, Dieter Kleinitz und Grit Ullrich unterstützt (von links nach rechts) . FOTOs: Carsten schönebeck
Die schweißtreibende Arbeit konnte den „Rechern vom Stadtsee“ ihren Spaß nicht verderben. Monika Ebert wurde unter anderem von Hannelore Brandt, Ramona Ebert, Ingrid Wessling, Margit Bergmann, Dieter Kleinitz und Grit Ullrich unterstützt (von links nach rechts) . FOTOs: Carsten schönebeck

VonCarsten Schönebeck

Diese Form von Selbstjustiz sieht die Verwaltung sicher gerne. Ein Dutzend Penzliner geht in diesen Tagen dem Schmutz in ihrer Stadt an den Kragen.

Penzlin.Das Anbaden im Stadtsee hatte sich Wolfgang Westen eigentlich anders vorgestellt. Die Schwimmkluft des Penzliners hängt vorerst noch zu Hause. Dafür darf die Wathose ran. Im grünen Ölzeug geht es am Donnerstag in den noch kalten Stadtsee. Seine Mission: Schilf und Schmutz raus aus dem Gewässer. Schließlich soll die Stadt im Jubiläumsjahr glänzen.
Ein Dutzend Einwohner der Stadt Penzlin nimmt sich zum Wochenausklang der Badestelle am See an. Mit Harken, Spaten und schwerem Gerät. „Sie sehen ja, was wir hier schon alles rausgezogen haben“, sagt Monika Ebert und weist auf einen mannshohen Haufen aus fauligen Pflanzenresten. „Was meinen Sie, wie das im Sommer gestunken hätte.“ Den gräulich-schwarzen Schlick haben zwei ihre Mitstreiter an einem Vormittag aus dem Wasser gerupft, gezogen und getragen. Erst der Anfang ihrer schweißtreibenden Freizeitbeschäftigung.
Herbst und Winter hatten so manche Spur an der Badestelle hinterlassen. Angeschwemmte Blätter als faulige Schicht am Ufergrund, Äste und Gestrüpp am Spielplatz und jede Menge Unkraut auf der Rasenfläche. „Das war wirklich ein trauriger Anblick“, sagt Ebert. Mit den ersten sonnigen Stunden vor zwei Wochen hatte sie auch ihren Imbiss am Stadtsee wieder geöffnet.
Zeitgleich kam ihr die Idee zur großen Entrümpelung. Was der städtische Bauhof nicht kann, können die Einwohner schließlich schon lange. „Ich habe dann einfach mal rumgefragt, wer mitmachen würde.“ Unter Stammkunden, Spaziergängern und Bade-Freunden. Und siehe da: Es hagelte Zusagen. Praktisch, dass ihr Mann Chef einer Penzliner Baufirma ist. Den hat Monika Ebert natürlich auch mit eingespannt. Mitarbeiter und Bagger unterstützten die Freiwilligen beim Arbeitseinsatz.
„Ist doch klar, dass man da mit anpackt“, sagt Ingrid Wessling. Auch wenn sie ja nur eine Zugezogene sei, schiebt die Rentnerin fast entschuldigend hinterher. Seit 2005 lebt sie in Penzlin und spaziert täglich am Stadtsee entlang. „Ich will es schließlich selber auch schön haben“, sagt sie.
Und während die Herren der Schöpfung durchs hüfthohe Wasser stelzen, um Schilf und Blätter zu entfernen, kümmern sich die Damen um Unkraut und Rasenkanten. Das Ebertsche Bauunternehmen hat per Transporter mehr als 40 Tonnen Sand für Badestelle und Spielplatz ankarren lassen. Die müssen verteilt und geharkt werden.
„750 Minuten für die 750-Jahr-Feier“: Unter dem Motto hatte der Penzliner Männerchor dazu aufgerufen, sich an den Vorbereitungen für das Stadtjubiläum zu beteiligen. „Die Minuten bekommen wir hier locker zusammen“, sagt die Initiatorin. Schließlich soll heute noch mal geackert werden.
Und wenn dann alles fertig ist? „Na dann können wir endlich anbaden“, sagt Wolfgang Westen und schmunzelt. Bis dahin ist das Wasser hoffentlich ein bisschen wärmer.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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