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Die Legende vor der eigenen Tür

Die Kopie auf dem Museums-Spielplatz kommt dem Original schon sehr nahe. Auch in das „Ankershagener Pferd“ kann man hineinsteigen. Wieder raus geht es per Rutsche.  FOTOs: Carsten Schönebeck
Die Kopie auf dem Museums-Spielplatz kommt dem Original schon sehr nahe. Auch in das „Ankershagener Pferd“ kann man hineinsteigen. Wieder raus geht es per Rutsche. FOTOs: Carsten Schönebeck

VonCarsten Schönebeck

Zwischen der Müritz und dem alten Troja liegen mehr als 2200 Kilometer Luftlinie. Wem das zu weit ist, der kann ein Stück des Mythos auch hier bewundern. Nur wenige nutzen die Gelegenheit.
Ankershagen.Wenige Schritte führen von der Ankershagener Kirche zum alten Pfarrhaus. Rote Ziegelsteine, graues Fachwerk. An dem Wegstück zwischen Wohn- und Gotteshaus dürfte Heinrich Schliemann als Kind seine ersten Buddel-Versuche unternommen haben. Vier Jahrzehnte später setzte er den Spaten in der Türkei an und kam zu weltweitem Ruhm.
Die Geschichte Schliemanns und seiner Ausgrabungen zeigt die Ausstellung im alten Pfarrhaus. Zwei Reisegruppen und ein paar Einzelbesucher kommen am Samstagvormittag dorthin. Aufsicht Rita Drescher spricht von einem guten Tag für die Ausstellung. Denn um die Massen zu erreichen, liegt die Gedenkstätte für den Archäologen wohl zu weit ab vom Schuss. Und mit Museen wie dem Müritz- oder dem Agroneum könne man kaum konkurrieren, so Museumsleiter Dr. Reinhard Witte. Landmaschinen und lebende Fische seien für viele Touristen wohl das spannendere Thema.
Sinkende Besucherzahlen machen dem Museum zu schaffen. Denn damit stehen und fallen nicht nur die Einnahmen an der Museumskasse. Auch bei der Kulturförderung wird immer wieder auf die Besucherzahl geschielt.
Ein Fehler, wie Witte findet. Die Qualität einer Ausstellung lasse sich eben nicht allein durch Besucherzahlen messen. Das Schliemann-Museum genieße national und international hohes Ansehen. „Nur hier vor Ort könnte das eben ein bisschen besser sein“, sagt er.
Dabei verweben sich in dem Haus gleich zwei Mythen und ihre realen Bezüge. Bilder und Schriften aus Schliemanns Leben zeigen den Weg vom Mecklenburger Jungen zum schwerreichen Kaufmann von Welt. Die Ausgrabungen will er allein aus einem Bruchteil seines Zinseinkommens bezahlt haben.
Das Museum zeigt aber auch Fundstücke Schliemanns. Teilweise als Replikate. Denn die spektakulärsten Fundstücke, wie der so genannte Schatz des Priamos, kamen nach dem Zeiten Weltkrieg als Beutekunst nach Russland. Doch bis nach Moskau, wo er ausgestellt wird, ist der Reiseweg kaum kürzer als nach Troja.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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