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Drehbrücken-Bau stellt Landwirt vor Probleme

Die Ernte 2013 beschert Andreas Schaade und seinen Kollegen von der Agrargenossenschaft Malchow große Herausforderungen. Wie soll Getreide vom Feld abtransportiert werden, wenn der Weg über die Malchower Insel tabu ist?  FOTO: Petra Konermann
Die Ernte 2013 beschert Andreas Schaade und seinen Kollegen von der Agrargenossenschaft Malchow große Herausforderungen. Wie soll Getreide vom Feld abtransportiert werden, wenn der Weg über die Malchower Insel tabu ist? FOTO: Petra Konermann

VonPetra Konermann

Wie man es auch dreht und wendet – dieses Jahr wird für den Malchower Landwirt Andreas Schaade höchstwahrscheinlich wirtschaftlich nicht das erfolgreichste werden. Das hat aber nichts mit dem Wetter zu tun, sondern mit einer Großbaustelle.

Malchow.Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Andreas Schaade, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Malchow, befürwortet den Neubau der Malchower Drehbrücke. Schließlich hat er als Stadtvertreter auch selbst für die Umsetzung des Sechs-Millionen-Projektes gestimmt. Ein Aber muss der Malchower dennoch hinterher schicken. „Uns stellt die Baustelle vor große Probleme.“
Denn die landwirtschaftlichen Maschinen müssen Umwege in Kauf nehmen, dürfen nicht die offizielle Umleitung Autobahn nutzen, um an die rund 300 Hektar Acker zu kommen, die das Unternehmen auf der Ostseite bei Laschendorf und dem Kloster bewirtschaftet. Auch die Strecke über den Lenz, die die schweren Traktoren nutzen können, ist eine Herausforderung. „Begegnen sich dort hier zwei breite Maschinen, ist Schluss. Dann geht gar nichts mehr. Außerdem ist der Zustand der Straße so, dass meine Mitarbeiter nur Schritttempo fahren können. Das bedeutet auch längere Arbeitszeiten“, zählt Schaade die Probleme auf.
Die obligatorischen Frühjahrsaufgaben wie Düngung und Pflanzenschutz wurden in diesem Jahr auf ein Minimum reduziert – und sogar Einiges in einem „Rutsch“ erledigt, obwohl „man eigentlich eine Woche Pause dazwischen lässt. Aber wir wollten den Fahraufwand so gering wie möglich halten“, erklärte der Landwirt.
Und er weiß, das Schlimmste kommt erst noch. Denn wenn im Juli die Erntezeit fürs Getreide ansteht, steht das Unternehmen vor einer logistischen Herausforderung. Die Körner nämlich wie sonst immer zur Lagerung und Aufbereitung an den eigenen Standort am Malchower Stadtrand hinter der Insel zu bringen, geht nicht: Die Drehbrücken-Baustelle ist schließlich für alle Fahrzeuge unpassierbar.
„Eine Möglichkeit wäre nun, ein Transport-Unternehmen direkt ans Feld kommen zu lassen, das Getreide direkt zu verkaufen“, überlegt Schaade. Verluste wären vermutlich programmiert. Denn die Vorteile, selbst aufbereitetes Getreide genau dann zu verkaufen, wenn der Preis am besten ist, wäre so dahin. Aber selbst wenn, fragt sich Schaade, wie soll die Variante mit einem Transportunternehmen klappen? Schließlich stehen Logistiker gerade in der Erntezeit nicht so abrufbar parat, wie es die schwankenden Erntezeiten nötig machen. Die zweite Möglichkeit: Ein Malchower Unternehmen übernimmt den Transport der Ernte über die Autobahn. Das aber, so Schaade, ist mit einem Investitionsaufwand verbunden: Die Anhänger der Genossenschaft müssten umgerüstet werden. Eine Not-Variante hat der Landwirt mit Hilfe der Stadt gefunden. Die Verwaltung hat ihm eine Fläche am Kloster zur Verfügung gestellt, so dass das Getreide dort vorübergehend gelagert werden kann. So oder so: „Viel Gewinn ist dieses Jahr wohl nicht drin“, befürchtet der Malchower. Dabei ist gerade dieser Mai fürs Getreide so günstig. „An dem Spruch ,Mai feucht und nass, füllen dem Bauern Scheun‘ und Fass‘ ist was dran. Uns nützt das dieses Jahr nichts“, stellt der Landwirt fest. Er ist froh, wenn die Ernte 2013 unter Dach und Fach ist. Nächstes Jahr, so Schaade optimistisch, sieht‘s wieder anders aus.

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p.konermann@nordkurier.de

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