Nordkurier.de

Ein Dorf bekämpft den Untergang

Von unserem Redaktionsmitglied
Elke Enders

Priborn schaut in die Vergangenheit. Früher war der Ort beispielgebend für ländliches Leben. Doch wo soll man ansetzen, um die Zukunft neu zu bauen, wenn Abwanderung und Berufspendelei an der Tagesordnung sind?

Priborn.„Eine der wichtig-
sten Stärken des ländlichen Raumes sind seine engagierten Menschen“, heißt das Motto der Schule für Landentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, die auf ihrem Weg in die Gemeinden jetzt auch in Priborn Station macht, wie Bürgermeisterin Elvira Doehring (Die Linke) mitteilte. Priborn, zu DDR-Zeiten ein Vorzeigedorf, hat mit der Wende viel eingebüßt. Das Schloss, das einst die Schule beherbergte, dümpelt vor sich hin. Die Gaststätte mit Diskothek schloss. Das Ärztehaus steht lange leer. Einen Dorfkonsum gibt es nicht mehr. Händeringend wird nach Lösungen gesucht – seit Jahren. Einige gute Ideen, wie das kleine Milchhäuschen am Dorfeingang, wo es täglich frisch gemolkene Kuhmilch von der Agrar GmbH Vipperow gibt, sind Mutmacher, aber auch Tropfen auf den heißen Stein, der Nachahmer braucht.
Fast ein halbes Jahrhundert lebt Elvira Doehring inzwischen in Priborn. „Ich liebe das Dorf, kann nicht mit ansehen, dass vieles untergeht. Und ich bleibe optimistisch“, versucht sie das Leben in der Gemeinde anzukurbeln. Und manchmal sind es nur ganz kleine Schritte, die ein Stück nach vorne bringen: der Flohmarkt beispielsweise in der Feuerwehr, der überraschend gut angenommen wurde (der Nordkurier berichtete). Nun hat Elvira
Doehring auch einige Hoffnungen ans Seminar geknüpft. Die Schule für Landentwicklung jedenfalls sieht sich als Schulungs- und Informationsplattform für den ländlichen Raum und „unterstützt die Einwohner bei der Entwicklung des eigenen Dorfes, der Gemeinde, der Region“, heißt es. „Am Beispiel der Kommune werden Herausforderungen der Entwicklung ländlicher Räume thematisiert und Impulse für Lösungsansätze geboten“, stellt sich die Einrichtung vor.Elvira Doehring jedenfalls hat das Angebot gern angenommen und würde sich freuen, wenn möglichst viele Einwohner vorbeischauen.Denn die Schule sei auch in anderen Orten schon aktiv gewesen und hätte einiges bewegt.
Unter der Leitung der Universität Rostock und mit Unterstützung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Schwerin sowie den Staatlichen Ämtern für Landwirtschaft werden „engagierte Bürgerinnen und Bürger, Kommunalpolitiker und Fachleute eingeladen, das Seminar zu besuchen, um eigene Chancen zu erkennen und nachhaltige Entwicklungen für ihren ländlichen Raum in Gang zu setzen“, wie die Einrichtung informiert. Das Thema des Seminars in Priborn lautet: „M-V im demografischen Wandel – Unser Dorf – Wachsen oder Schrumpfen“. Es beinhaltet eine Methodenschulung zum Umgang mit der veränderten Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur. Die Schulung findet am Sonnabend, 20. April, von
10 bis 17 Uhr in den Räumen der Feuerwehr statt. Interessierte sindwillkommen, lädt die Bürgermeisterin ein.

Kontakt zur Autorin
e.enders@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×