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Ein Lachmann, wie er im Buche steht

VonPetra Konermann

Günter Lachmann trägt einen besonderen Namen, der für ihn auch so etwas wie ein Programm ist. Denn Gelassenheit, Humor und vor allem die Freude am Plattdeutschen lassen bei dem Malchower keine Traurigkeit aufkommen.

Malchow.„Mötst di nich argern, hett keinen Wiert, mötst di blot wunnern, wat all passiert.“ Was der plattdeutsche Dichter Rudolf Tarnow im vorigen Jahrhundert gedichtet hat, kann gut und gerne als Lebensmotto von Günter Lachmann gelten. „Musst dich nicht ärgern, hat keinen Wert, musst dich nur wundern, was alles passiert“, heißt die Übersetzung der Anfangszeilen des Tarnow-Gedichts – eines von vielen, die ins Herz von Günter Lachmann getroffen haben. Über 25 Gedichte, die meisten ellenlang, kann der Malchower aus dem Gedächtnis rezitieren. Würde man ihn nachts wecken und nach einem Tarnow-Gedicht fragen, Günter Lachmann könnte es ohne Zweifel prompt liefern.
„Ganz bestimmt“, sagt der 72-Jährige, der sich auf verschiedenen Bühnen zu Hause fühlt, sei es als Alleinunterhalter mit Tarnow-Gedichten, sei es als sangesfreudiges Chormitglied, als Gast bei plattdeutschen Radiosendungen oder bis vor Kurzem als Laiendarsteller bei Malchower Theateraufführungen. Das fröhliche Gemüt hat er von seiner Mutter, die volle, wohltönende Stimme und die Musikalität vom Vater. Den hat Günter Lachmann, der in Malchow geboren wurde, selbst nicht kennen gelernt. Zwei Jahre war er alt, als der Vater im Krieg starb. Und so waren es vor allem seine Großeltern, seine Mutter und auch die Großtante, die seine Kindheit prägten: Es wurde platt gesprochen. Eine Sprache, die Günter Lachmann heute noch am liebsten verwendet. „Darin kann man vieles besser ausdrücken. Manches, was sich im Hochdeutschen hart anhört, klingt im Plattdeutschen nur halb so schlimm. Man lächelt dann darüber“, meint Lachmann. Am Dichter Tarnow liebt er vor allem den feinsinnigen Humor, der aus dem Leben gegriffen ist. „Es gibt fast immer eine Pointe, die einem den Spiegel vorhält“, erzählt Günter Lachmann. Sechs Bände „De Burrkäwers“ hat Tarnow veröffentlicht und mit seinem „Bohrkäfer“ den menschlichen Eigenheiten nachgespürt.
Wenn Günter Lachmann bei Feiern „seine“ Tarnow-Geschichten auspackt, ist ihm der Beifall sicher. Damit die bei Auftritten fehlerfrei vorgetragen werden, wiederholt Günter Lachmann sein Repertoire ständig. „Wenn ich im Wald spazieren gehe, spreche ich sie laut vor mich. Übung hält mich fit und jung im Kopf.“ Sein schauspielerisches Talent hat er lange Jahre gemeinsam mit vielen anderen Laiendarstellern in einem ganz besonderen Malchower Stück ausdrücken können. Zum Frauentag gab es bis zum vergangenen Jahr eine Aufführung, für die eigens ein Malchow-Stück geschrieben und in Szene gesetzt wurde – ein Publikums-Renner, der sich nun jedoch von der Bühnen verabschiedet hat. „Das ist schade, es war einmalig in der ganzen Region“, meint Günter Lachmann, der sich nun ganz auf die Auftritte mit dem Röbeler Männerchor und als Alleinunterhalter konzentriert. „Ich mache das so lange, wie es geht. Das ist mein Leben.“

Kontakt zur Autorin
p.konermann@nordkurier.de

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