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Endlich Ferien in der Schulzeit

Nicht nur Schülern steht der letzte Schultag bevor, auch Marianne Meiske muss an Abschied denken. Der 31. Juli 2013 ist der Tag, an dem die Malchowerin nach 46 Jahren aus dem Schuldienst scheidet. [KT_CREDIT] FOTO: Petra Konermann
Nicht nur Schülern steht der letzte Schultag bevor, auch Marianne Meiske muss an Abschied denken. Der 31. Juli 2013 ist der Tag, an dem die Malchowerin nach 46 Jahren aus dem Schuldienst scheidet. [KT_CREDIT] FOTO: Petra Konermann

VonPetra Konermann

Kleine und große Kinder, Kreide, Schwamm und Lineal, Noten und Gitarrenmusik, Mathematik und Bürokratie – 46 Jahre lang war das der Berufsalltag der Malchowerin Marianne Meiske. Jetzt aber soll Schluss sein. Ein Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Malchow.Es war natürlich in der Schule, als es passierte: Marianne Meiske, Leiterin in der Malchower Goetheschule, war unterwegs, treppauf, treppab. Plötzlich knickte sie um – Bruch des Sprunggelenks. „Vielleicht war das auch ein Fingerzeig von ,oben‘, dass jetzt endlich Schluss sein muss“, überlegt sie. Seit Wochen schon muss die Malchowerin zuhause bleiben. Zeit genug also, sich auf einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, auf den Ruhestand, der Marianne Meiske nach 46 Jahren im Schuldienst in diesem Sommer bevorsteht. „Diese Jahrzehnte sind unglaublich schnell vergangen, sicherlich auch deshalb, weil mir die Arbeit so viel Spaß gemacht hat“, sagt die Malchowerin.
19 Jahre jung war sie, als sie zum ersten Mal als Lehrerin vor einer Klasse arbeitete. „Als ich mit 16 Jahren in Malchow die Schule beendete, stand ich natürlich vor der Frage, was ich werden sollte“, erinnert sich Marianne Meiske. Zur LPG? Vielleicht ins Büro? Immer schon sei sie gern in die Schule gegangen, deshalb entschied sie sich für eine Lehrer-Ausbildung in Templin. Grundschullehrerin wollte Marianne Meiske werden.
„Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass das alles so schnell gehen würde.“ Denn in der DDR entwickelte sich in den 1960er-Jahren ein Kinder-Boom, Pädagogen wurden händeringend gesucht. „Wir mussten unser Studium schneller beenden, schon nach drei Jahren standen wir vor der Klasse. Ich fand‘s herrlich“, erinnert sie sich heute. Damals, im Jahr 1967, übernahm sie an der Goetheschule ihrer Heimatstadt Malchow eine 3. Klasse. 30 Kinder in einer Klasse, geläutet wurde mit einer Handglocke. Deutsch, Mathe, Sport und Musik – für diese Fächer war Marianne Meiske ausgebildet worden. Ihre Leidenschaft aber ist die Musik: 17 Jahre lang hat sie einen Schulchor geleitet, mit rund 70 kleinen Sängern. „Da war ich sehr ehrgeizig“, sagt Marianne Meiske und meint damit nicht nur die Chorkinder von damals. Sie selbst hat 1984 ein Studium zur Diplom-Lehrerin in Greifswald aufgenommen – „nebenbei zum normalen Schuldienst“.
Schließlich kam die Wende. „Ich war nie in der Partei, ich bin ein streitbarer Mensch und sage meine Meinung. Ich bin sehr engagiert für das, was ich für richtig halte“, sagt Marianne Meiske von sich selbst. Folgerichtig also ihre Bewerbung nach der Wende als Schulleiterin – wo sonst, als in Malchow?
Einen Job, den sie bis zu ihrem Ruhestand bis heute ausgeübt hat, wen auch in verschiedenen Malchower Schulen. „Ich kenne viele Malchower, oft sogar die Enkelkinder meiner ersten Schüler auf dem ersten Blick“, freut sich Marianne Meiske.
Ihr habe es immer Spaß gemacht, Grundschulkinder zu unterrichten. „Da kommt so viel zurück, ich spüre die Begeisterung. Es ist schön, die Fortschritte der Kinder zu erleben.“ Gleichzeitig habe ihr die Arbeit mit den Kollegen Freude gemacht. „Das Klima an der Goetheschule stimmt“, ist sie überzeugt.
Marianne Meiske weiß: Bei ihrem Abschied von Kindern, Kollegen und der Schule werden ihre Tränen fließen. Sie weiß aber auch: „Ich habe Schule gelebt. Aber nach 46 Jahren muss auch mal Schluss sein.“ Sie wolle im Ruhestand ihr Gitarrenspiel perfektionieren und auch wieder Klavier spielen. „Und jetzt kann ich endlich auch Mal Urlaub machen, wenn Schulzeit ist.“

Kontakt zur Autorin
p.konermann@nordkurier.de

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