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Erster Pilot wagte in Rechlin „Absprung“ mit Schleudersitz

VonThomas Beigang

Auch wenn es nur Eingeweihte wissen. Aber in Rechlin ist dereinst in Kriegszeiten der Schleudersitz erfunden worden.

Rechlin.Eigentlich ein ganz bizarrer Widerspruch. Während des Zweiten Weltkrieges, in dem Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten, ist in Rechlin am südlichen Zipfel der Müritz eine Erfindung zum ersten Mal erfolgreich getestet worden, die künftig vielen Piloten das Leben retten sollte: Der Schleudersitz.
Rechlin, dereinst Standort der Erprobungsstelle der Luftwaffe, war Schauplatz des ersten Notausstiegs der Luftfahrtgeschichte, als am 13. Januar 1943 bei einem Probeflug der Heinkel He 280 Flugkapitän Schenk seine Maschine mit dem Schleudersitz verlassen musste. Der Pilot landete unverletzt mit dem Fallschirm, während die nunmehr führerlose Maschine noch zwei Platzrunden flog und dann in einem Waldstück abstürzte.
Ein Schleudersitz ist ein System zur Rettung der Besatzung eines Flugzeuges oder Hubschraubers im Falle eines drohenden Absturzes oder einer unvermeidbaren Kollision. Der Schleudersitz katapultiert sich dabei mitsamt Insassen aus dem Flugzeug in eine sichere Entfernung, danach landet der Insasse an einem Rettungsfallschirm. Schleudersitze finden hauptsächlich in militärischen Flugzeugtypen mit wenig Besatzung Anwendung.
Die Entwicklung von Schleudersitzen wurde im Bereich der Militärluftfahrt durch die immer schneller werdenden Kampfflugzeuge angetrieben. Die Besatzungsmitglieder der propellerangetriebenen Flugzeuge konnten sich noch aus eigener Kraft mit ihrem Rettungsfallschirm aus dem Flugzeug befreien und abspringen. Mit zunehmender Fluggeschwindigkeit wurde dies immer schwieriger.

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