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Etwas Multikulti und viel internationale Aufmerksamkeit

Hier verbrachte Schliemann seine Kindheit. Heute beherbergt das Pfarrhaus in Ankershagen die Ausstellung über ihn. [KT_CREDIT] FOTO: CS
Hier verbrachte Schliemann seine Kindheit. Heute beherbergt das Pfarrhaus in Ankershagen die Ausstellung über ihn. [KT_CREDIT] FOTO: CS

VonCarsten Schönebeck

Gefeiert bei den einen, misstrauisch beäugt bei den anderen. Heinrich Schliemann hat es zu Weltruhm gebracht und mit ihm auch Ankershagen.

Ankershagen.Heinrich Schliemann war Kosmopolit. In Deutschland aufgewachsen, in Holland gelebt, in Russland reich, in der Türkei und Griechenland berühmt geworden. Schliemann beherrschte 20 Sprachen. Bei seinem Tod besaß er die amerikanische Staatsbürgerschaft.
„Das macht die Forschung nicht einfacher“, sagt Reinhard Witte, Leiter des Schliemann-Museums in Ankershagen. Dort liegen im Keller eines Nachbarhauses Kopien der Tagebücher. Die Handschrift ist klar und gut leserlich. Der Inhalt eher nicht. Je nach Aufenthaltsort schreibt Schliemann in der Landessprache. Englisch, Griechisch, Italienisch, Arabisch. „Wenn er abends im Theater einen französischen Bekannten traf, schrieb er anschließend in dieser Sprache in das Tagebuch“, erklärt Witte. Übersetzungen für alle Texte gibt es noch längst nicht.
Das Museum in Ankershagen profitiert von der Prominenz des Forschers. Das Museum gehört zu den wichtigsten Forschungszentren der Welt. Regelmäßig finden dort internationale Kolloquien statt, die sich mit dem Werk Schliemanns befassen. „Da wird viel gestritten, aber immer respektvoll“, so Witte. 2011 sammelten sich die Schliemann-Experten der Welt zuletzt in Ankershagen. 2015 soll die nächste Konferenz stattfinden. Dann jährt sich Schliemanns Tod zum 125. Mal.
Doch auch zwischen den Konferenzen ist Ankershagen ein beliebtes Reiseziel. Die Kopien der Tagebücher locken. Denn sonst sind die Dokumente nur in Athen einsehbar. Bis jetzt. Denn die dortige Gennadius-Bibliothek scannt immer mehr der Texte und stellt sie online zur Verfügung. „Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert“, sagt Witte. Es erleichtere die Forschungsarbeit im ersten Moment, hindere aber auch den Austausch der Experten, die nicht mehr an die Forschungszentren reisen müssten.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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