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F(r)ischzellen-Kur: Kiloweise Nachwuchs für die Seenplatten-Region

Alles klar an Bord? Tilo Schönemann und Tom Nitz von den Müritz-Fischern bringen die Tiere raus aufs Wasser.  FOTOs: Cs
Alles klar an Bord? Tilo Schönemann und Tom Nitz von den Müritz-Fischern bringen die Tiere raus aufs Wasser. FOTOs: Cs

VonCarsten Schönebeck

Ein glitsch- und wuseliger Anblick in Eldenburg. Zentnerweise junge Aale finden dort eine neue Heimat. Appetitlich sieht das zwar nicht aus, doch die Fischer hoffen dadurch auf gute Umsätze.

Eldenburg.Manche muss man eben zu ihrem Glück zwingen. Während die Menschen jedes Jahr im Sommer in die Müritzregion strömen, tun sich Aale erfahrungsgemäß schwer mit der Reise. Es ist ja auch ein weiter Weg von der Küste Floridas bis zur Seenplatte. Vor allem die vielen Schleusen machen die Reise beschwerlich. Da helfen die Fischer gerne mal nach. Vor der Küste Frankreichs wird der Aalnachwuchs gefangen und in Farmen groß gezogen. 170 000 Jungtiere bekamen am Montag ein neues Zuhause in hiesigen Gewässern. „Die hat natürlich keiner gezählt, aber wir schätzen das über das Gewicht“, erklärt Ulrich Paetsch von den Müritz-Fischern.
Knapp 900 Kilogramm wurden an den Seen der Region ausgebracht. Etwas mehr als fünf Gramm pro Exemplar. Ihr Gewicht sollen die Tiere jetzt mindestens verhundertfachen, bevor sie erst im Netz, dann auf dem Brötchen landen. Im Durchschnitt wiegen die ausgewachsenen Tiere an der Müritz ein knappes Kilo. Das braucht Zeit.
Je nach Wassertemperatur und Nahrungslage dauert es acht bis zwölf Jahre, bis aus dem zappeligen Würmchen ein ausgewachsener Aal wird. Sind die Tiere ausgewachsen soll ein guter Teil wieder bei den Müritz-Fischern landen, die sie jetzt ausgesetzt haben. „20 bis 30 Prozent, das wäre eine gute Quote für uns“, sagt Paetsch, der die jährliche Aktion koordiniert.
Doch die Konkurrenz ist hart, nicht nur mit den privaten Anglern. Kormoran und andere Raubtiere schätzen den Aal – auch ohne Zwiebeln und Brötchen. Ein Großteil der Tiere soll aber in keinem Magen landen. „40 Prozent sollen abwandern, wenn sie erst mal geschlechtsreif sind“, erklärt Paetsch. Dann zieht es die Aale wieder in die Sargassosee vor Florida, um zu laichen. Der Nachwuchs lässt sich dann vom Golfstrom wieder nach Europa treiben.
Rund 60 Euro kostet das Kilo Jungtiere, etwa zehn Jahre müssen die Fischer auf den Ertrag warten. Dank Fördergeldern ist der Aalbesatz dennoch ein lohnendes Geschäft. Rund 80 Prozent der Kosten übernehmen EU und Land.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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