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Faszinierende Reise zu Wundern von Varanassi

Blicke, die man nicht vergisst – ein Sadhu, ein „heiliger Mann“ in Indien. Eine Reihe weiterer solch eindringlicher Porträts finden sich auch auf www.bergringfoto.de. [KT_CREDIT] FOTO: BERT BURCHETT
Blicke, die man nicht vergisst – ein Sadhu, ein „heiliger Mann“ in Indien. Eine Reihe weiterer solch eindringlicher Porträts finden sich auch auf www.bergringfoto.de. [KT_CREDIT] FOTO: BERT BURCHETT

VonSilke Voß

Der Groß Markower Bert Burchett, der am Warener Müritz-Klinikum als Chirurg arbeitet, fotografierte in Indien unaufhörlich die heilige und zugleich recht pragmatische Welt der Hindus.

Gross Markow/WAREN. Es sind Bilder, die sachte teilhaben lassen an nicht alltäglichen Szenen für europäische Gewohnheiten. An Blicken eines faszinierten Fotografen auf eine archaische Welt in rasanter Veränderung. Wie zufällig und gar nicht voyeuristisch erhascht aus einer üppigen Vielfalt aller Facetten indischen Lebens. Bis hin zum Tod als nur einem natürlichen Aspekt in dem Kreislauf etlicher Wiedergeburten.
Der Fotograf hat den Tod in Varanasi gesehen und für einen Moment festgehalten, bis der Körper sich via Scheiterhaufen auflöst in eine andere Daseinsform. „Das erdet“, hat Bert Burchett in der heiligsten Stadt der Hindus erfahren, obwohl er doch als Chirurg im Müritz-Klinikum fast täglich mit körperlicher Versehrtheit vertraut ist.
Varanasi und die einprägsamen Bilder von spektakulären Leichenverbrennungen am verseuchten wie reinigenden Ganges waren das Hauptziel des passionierten Fotografen auf seiner dreiwöchigen Indienreise im November 2012. Und so ging es von
Delhi über Agra mit dessen obligatorischem Denkmal der Liebe, dem Taj Mahal, nach Rajasthan und Königsstädte wie Jaipur und Pushkar weiter ostwärts, mit der Bahn als Hauptverkehrsmittel von täglich Millionen von Indern, in klapprigen Bussen, im Taxi und per Rikscha in vorgebuchte Hotels.
Etwas komfortabler als noch 15 Jahre zuvor, als Burchett den exotischen Subkontinent erstmals, mit drei Freunden, besuchte. Damals war der Wunsch geboren, diese archaische Welt fotografisch zu bannen, also kehrte er zurück in ein Land, das sich so rasant verändert. Und also interessierte ihn nun die möglicherweise untergehende Welt, die zerstört werden könnte von durch westliche Medien geweckte Begehrlichkeiten.
Mit seiner Zwölf-Kilo-Kamera-Ausrüstung im Geschlepp fotografierte er „wie verrückt“ von morgens bis abends – vor allem das traditionelle Indien. Er wagte sich in Slums, Schmutz, an Lastenträger, Alte, Bettler, Straßenbarbiere und Sadhus, die indischen Asketen, als seine „Modelle“. Was Bert Burchett letztlich am meisten beeindruckt hat, sind nachdenkenswerte Dinge von weltanschaulicher philosophischer Dimension: „Enorm etwa ist, wie wenig die Menschen benötigen und dennoch nicht klagen. Stattdessen sind wir es, die jammern, dabei könnten auch wir nur mit der Hälfte auskommen.“ Auch Milliarden Inder haben ein Recht, Autos zu fahren so wie wir.
Doch wo soll das hinführen? Die Auswirkungen der Industrialisierung des Erdballs sind natürlich auch in Indien massiv spürbar. Eine romantische „blaue Stunde“ – die besondere Licht-Zeit zur Dämmerung – zu fotografieren ist auf dem Subkontinent faktisch unmöglich: Überall liegt ein Schleier gelben Nebels, Smog-Schwaden, beschreibt der aufmerksame Indien-Besucher. Und Indiens größter Vogelnationalpark Bharatpur, wohin es Burchett als leidenschaftlichen Vogelfotografen natürlich auch zog, beherbergt heute nicht einmal mehr die Hälfte der einst mehr als 350 Vogelarten. Alles alarmierende Zeichen für den verantwortungsbewussten Naturliebhaber.
Also statt immer weiter an Wachstum und Raubbau zu werkeln, sollten „wir uns beschränken – damit die anderen auch nicht so viel wollen wie wir“.
Bert Burchetts fotografische Reise durch ein ambivalentes Land voller Wunder ist ab Juni im Müritz-Klinikum zu sehen und auf www.bergringfoto.de.

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