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Garagen-Abriss sorgt erneut für Zoff

Die Arbeiten in der Rechliner Müritzstraße gehen schon seit mehr als einer Woche weiter. Trotz des Frostes wird mit Hochdruck gearbeitet, um einigermaßen im Zeitplan zu bleiben.  FOTOs: Elke Enders
Die Arbeiten in der Rechliner Müritzstraße gehen schon seit mehr als einer Woche weiter. Trotz des Frostes wird mit Hochdruck gearbeitet, um einigermaßen im Zeitplan zu bleiben. FOTOs: Elke Enders

Von unserem Redaktionsmitglied
Elke Enders

In Rechlin trotzen die Bauleute den eisigen Temperaturen – um winterbedingte Verzöge- rungen wett zu machen. Indes schwappt der Gemein- de abermals Kritik für ihr Vorgehen entgegen.

Rechlin.Der heftige Märzwinter hat Spuren hinterlassen, auch im Zentrum von Rechlin. Obwohl hier bereits wieder seit vergangener Woche mit Hochdruck gearbeitet wird, sind Verzögerungen in der Müritzstraße nicht mehr auszuschließen. Das bestätigte gestern Bauleiter Stefan Hornig von der Firma LTS Lilie Tief- und Straßenbau GmbH mit Sitz in Gnoien.
„Die minus 6 oder 7 Grad früh sind für das Verlegen der Rohre immer noch kritisch“, meinte Hornig. „Aber weil wir aufmachen und gleich wieder zu, geht das gerade so.“ Auf diese Weise versuche das Unternehmen, die verloren gegangene Zeit noch ein wenig einzuholen – auch mit Blick auf die Anwohner, die nun doch etwas länger mit Behinderungen leben müssten, gerade auch im Kreuzungsbereich zur Straße Am Stadion. Hier nämlich müsse die Anbindung bereits mit vorbereitet werden. So ist die Kreuzung derzeit wieder voll gesperrt. „Das ist Fummelarbeit“, erklärte Hornig.
Ungünstig ausgewirkt hätte sich, dass bereits vor der letzten Frostperiode mit dem Kanalbau im Kreuzungsbereich begonnen wurde. Das hatte zur Folge, dass das Nadelöhr für die Dauer des jüngsten Wintereinbruchs nicht passierbar war – ein Umstand, den die Baufirma eigentlich vermeiden wollte. „Hier sind wir auf die Kulanz der Anwohner angewiesen“, sagte Hornig, der zur Nutzung der Anfahrt über die Kreisstraße rät. „Immer noch besser, als wenn man sein Auto ganz woanders stehen lassen und zu Fuß zur Wohnung gehen müsste, wie es in anderen Orten bei Baustellen üblich ist“, wie der Fachmann weiß. Seitens der Firma würde der Weg zur Kreisstraße immer wieder ausgebessert, so dass dieser einigermaßen, wenn auch als Provisorium, befahrbar bleibe.
Mitte nächster Woche nun sollen die Hauptkanäle für Regen- und Schmutzwasser in der Müritzstraße fertig sein. Danach gehe es an die Hausanschlüsse. Fast 80 000 Euro wurden schon in den Boden gebracht. Bald würde der Baufortschritt auch oberirdisch zu sehen sein, hofft Hornig. Nach dem Anlegen der Hausanschlüsse nämlich gehe es an die Erdarbeiten und Tragschichten für den neuen Straßenkörper.
Indes gibt es doch noch einmal heftigen Gegenwind in puncto „Neue Mitte“, wie aus einem Schreiben von Bernd Dreger, Anwohner Am Stadion, an den Nordkurier hervorgeht. Kürzlich nämlich hätten etliche Garagenbesitzer ihre Kündigungen bekommen. Dabei handelt es sich um eine „neue Kündigungswelle“, wie Dreger schildert. Ein Umstand, der den Betroffenen arg zusetzt, zumal die Gemeinde bislang von vereinzelten Kündigungen gesprochen hatte. Dreger berief sich auf eine Aussage des stellvertretenden Bürgermeisters Wolf-Dieter Ringguth (CDU) bei der jüngsten Einwohnerversammlung, wonach versucht werden sollte, „so wenig wie möglich Garagen abzureißen“, auch wenn der Trassenverlauf bis dato noch nicht feststand, wie Dreger der Zusammenkunft entnahm. Jetzt seien es schon um die 20, die weichen müssten, ärgert sich der Rechliner.
Wolf-Dieter Ringguth erklärte gestern auf Nachfrage des Nordkurier, dass „jetzt tatsächlich erst die genauere Planung“ für die Anbindung des Garagenkomplexes vorliege. „Der Mehrbedarf ergibt sich daraus, dass mit Blick auf viele Spaziergänger ein straßenbegleitender Gehweg mit angelegt wird“, sagte Ringguth. Auch solle die Allee der Kreisstraße in Form von kleineren Bäumen in der Ortseinfahrt ihre Fortsetzung finden. Schließlich würden die Garagen, die nicht unbedingt ein Hingucker wären, noch mit hochgewachsenen Anpflanzungen abgeschirmt – alles Dinge, die Platz benötigten. „Ich habe selbst mal eine Garage gehabt und weiß, wie wichtig die für ihre Besitzer ist“, so Ringguth. In der Woche vor Ostern hatte er deshalb gemeinsam mit dem zweiten Bürgermeister-Stellvertreter das Gespräch mit den zusätzlich acht betroffenen Garagenbesitzern gesucht. „Es wurden Lösungen gefunden“, meinte Ringguth. Teilweise konnten Ersatzgaragen in Aussicht gestellt werden, teilweise wollen die Besitzer die 500 Euro, die die Gemeinde derzeit noch als „Abfindung“ zahlt, annehmen.
Überdies plant die Gemeinde all jene Garagenbesitzer anzuschreiben, die längst aus Rechlin weggezogen sind. „Für jemanden, der bei uns im Neubau wohnt, ist die Garage existenziell wichtig, wer in Castrop-Rauxel oder sonst wo wohnt, kann auf sie verzichten“, lautet Ringguths Devise: Den Auswärtigen solle gekündigt werden, und die so freigewordenen Garagen könnten als Tauschobjekt dienen, so der Plan.

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