Hallo Lederhose, hier Beethoven am Apparat!

Aneska (links) und Althea Heidemüller besuchen seit September des vergangenen Jahres das Internat Schloss Torgelow. Am Wochenende geht es in die Heimat nach Lübeck. [KT_CREDIT] FOTOs: Jörg Döbereiner
Aneska (links) und Althea Heidemüller besuchen seit September des vergangenen Jahres das Internat Schloss Torgelow. Am Wochenende geht es in die Heimat nach Lübeck. [KT_CREDIT] FOTOs: Jörg Döbereiner

VonJörg Döbereiner

Wie nur merkt man sich komplizierte Zahlen? Mit fantasievollen Geschichten! Aneska und Althea Heidemüller vom Schloss Torgelow haben gerade erst mit dem Gedächtnistraining angefangen, sind aber schon ganz vorn mit dabei.

Torgelow am See.Manch einer hat Probleme, die eigene Telefonnummer im Gedächtnis zu behalten, für Aneska und Althea Heidemüller ist eine Zahl mit zwanzig Stellen überhaupt kein Problem. Die beiden Schwestern, die das Privatgymnasium Schloss Torgelow besuchen, haben gerade bei der Norddeutschen Gedächtnismeisterschaft abgeräumt: Aneska, zwölf Jahre alt, gewann den Kinder-Titel in der Einzelwertung, Althea schaffte trotz ihrer zehn Jahre schon den zweiten Platz. Eine beachtliche Leistung – die sich in Torgelow in eine besondere Tradition einreiht.
Seit Jahren bringt das Internatsgymnasium einen Gedächtniskünstler nach dem anderen hervor, stellte unter anderem bereits sieben Mal den Jugend-Weltmeister. Ganz so weit sind Aneska und Althea zwar noch nicht, schließlich haben die Lübeckerinnen erst vor wenigen Wochen mit dem Training begonnen. „Dafür ist ihr Abschneiden aber umso erfreulicher“, meint Steffen Bütow, der Vater des Gedächtnis-Erfolgs.
Der dreifache Vizemeister der Deutschen Gedächtnismeisterschaften trainiert seine Schützlinge nach der regulären Schulzeit, denn Gedächtnistraining ist in Torgelow eines von vielen Wahlfächern. „Ich bin gut in Mathematik und besuche das Gedächtnistraining, weil es damit verwandt ist“, so Aneska.
Auch wenn die beiden bei der Meisterschaft vor allem viel Spaß hatten, geht es bei Gedächtniswettbewerben streng zu. Sieben Disziplinen müssen die Erinnerungskünstler bewältigen, und immer gilt es, sich etwas unter Zeitdruck einzuprägen – ob Zahlen, Namen, Spielkarten oder Geschichtsdaten.
Fürs Zahlen-Merken haben die Geschwister eine ausgeklügelte Technik: „Jeder zweistelligen Zahl ist ein Wort zugeordnet“, verrät Althea. Will sie sich beispielsweise merken, dass Ludwig van Beethoven 1770 geboren ist, teilt sie die Zahl auf in die 17 – sie steht für „Telefon“ - und die 70 – die steht für „Lederhose“. Anstelle der trockenen Zahlen merkt sie sich einfach, dass Ludwig van Beethoven bei seiner Geburt mit einer Lederhose telefonierte – und kann diese kleine Geschichte später in die richtige Zahlenkombination rückübersetzen. Bei längeren Zahlen verbinden die Schwestern solche Eselsbrücken mit Punkten im Raum: Für die Zahl 173 892 hängen sie in der Fantasie an das Schlüsselloch der Tür ein Telefon – die 17 –, am Nagel daneben baumelt ein Mobile – die 38 –, und auf dem Fensterrahmen im Oberlicht der Tür läuft ein Pinguin – die 92. So entsteht eine Geschichte, hinter der sich die Zahlenkette verbirgt. „Bei der Meisterschaft habe ich mir eine Zahl mit 51 Stellen gemerkt“, sagt Aneska.
Obwohl die Schwestern schon weit gekommen sind, geht es für sie im Gedächtnistraining jetzt erst richtig los. Althea will neben ihren Lieblingsfächern Kunst, Naturphänomene und Sport auf jeden Fall auch ihr Wahlfach weiter belegen. Und Aneska hat das nächste Ziel schon vor Augen: Sie will sich die Reihenfolge aller 52 Karten eines Kartenspiels merken.

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j.doebereiner@nordkurier.de

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