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Hatschi! Allergisch in den Frühling

Anke Hering
Anke Hering

VonJörg Döbereiner

Was für die Fortpflanzung im Pflanzenreich wichtig ist, bedeutet für manchen Menschen eine Qual. Ärzte wissen: Das Pollen-Leiden kann jeden treffen.

Waren.Ungeduldig und etwas gereizt wartet der Patient in der Praxis der Warener Lungenärztin Anke Hering. „Ich habe keine Luft mehr bekommen und hier oben war alles zu“, sagt der etwa Vierzigjährige und fasst sich an die Nasenflügel. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er so stark allergisch auf etwas reagiert hat – ein ungewohntes, bedrückendes Gefühl. Nun wartet der Mann darauf, dass das Team von Anke Hering die Testergebnisse auswertet und ihm mitteilt, worauf er allergisch ist.
Es könnten Erlen-Pollen sein. Neben Birke und Haselnuss haben sie Hochsaison, und wegen des langen Winters treten sie zudem mit geballter Kraft auf. Eine „mittlere bis hohe Belastung“ an Erlen-Pollen, also Warnstufe sechs von sieben, stellt der Pollenflug-Gefahrenindex für Mecklenburg-Vorpommern für den heutigen Donnerstag fest. Wie hoch die Zahl der Pollen in der Luft tatsächlich ist, hänge aber stark vom Wetter ab, so der Warener Allergologe Sven-Christian Lange: „Wenn es regnet, haben Allergiker in der Regel keine Probleme. Am schlimmsten sind für sie trockene Tage mit leichtem Wind, weil sich die Pollen dann am besten verbreiten.“
Solche Tage sind für die Betroffenen eine Qual. Geschwollene, juckende Augen, Nies-Attacken, Kratzen im Hals oder das beengende Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können – die Spielarten, wie das eigene Abwehrsystem überreagieren kann, sind vielfältig und ohne Medikamente oft nur schwer zu ertragen. Wer die Symptome an sich bemerkt, dem rät Anke Hering dazu, auf keinen Fall auf eigene Faust zu therapieren, sondern sich in ärztliche Beratung zu begeben. „Ein Arzt kann besser einschätzen, ob der Patient beispielsweise von allergischem Asthma bedroht ist“, sagt sie. Husten sei bereits ein erster Hinweis darauf.
Sobald fest steht, worauf der Patient allergisch reagiert, heißt es Gegenmaßnahmen ergreifen. „Die Medikamente zur Bekämpfung der Symptome wie Tropfen, Tabletten, Nasen- oder Augensprays werden von den Kassen meist nicht bezahlt“, so Sven-Christian Lange. Anders als eine Immuntherapie: Bei dieser sogenannten Hyposensibilisierung werden im Körper durch regelmäßiges Spritzen Abwehrkräfte aufgebaut. „Die Chance, dass der Patient nach einer solchen Therapie weniger Beschwerden hat, liegt bei etwa 60 Prozent“, so der Arzt.
Wer bisher von Allergien verschont geblieben ist, darf sich glücklich schätzen, hat aber keine Garantie, dass dies so bleibt. „Auch bei 60- oder 70-Jährigen kann die Überreaktion zum ersten Mal auftreten“, sagt Anke Hering. Zwar seien neue Allergiker meist Vorbelastete, die etwa schon Erfahrungen mit Neurodermitis gemacht haben oder Asthmatiker im Verwandtenkreis besitzen. Prinzipiell könne es aber jeden erwischen.

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j.doebereiner@nordkurier.de

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